
Der
Namensgeber: Max Planck
Die Wirklichkeit ist eben ... nur ein ganz
spezieller, schmaler Ausschnitt aus dem unermesslichen Bereich dessen, was
die Gedanken zu umspannen vermögen.
Max
Planck, 1923
Das
Max-Planck-Gymnasium trägt den
Namen eines der
bedeutendsten europäischen
Physiker. Wie kaum ein anderer Wissenschaftler spiegelt er in seiner Person
und in seinem Leben Größe und Verhängnis der deutschen Geschichte seiner
Zeit; wie kaum ein anderer vereinigte er Einstellungen, Fähigkeiten und
Verhaltensweisen, die richtungweisend für eine Schule sein können und
zugleich zur kritischen Auseinandersetzung anhalten.
Geboren am 23. April 1858 in Kiel, zeigte Max Planck schon
als Schüler zahlreiche Begabungen und Interessen, deren Vielfalt ihm die
Berufswahl nicht gerade erleichterte. „Wenn Sie schon fragen, studieren Sie
etwas anderes!“ Nach dieser barschen Antwort eines Professors war dem jungen
Abiturienten klar, dass er nicht Berufsmusiker werden würde. Gleichwohl
spielte Musik in seinem gesamten Leben eine außerordentlich wichtige
Rolle. Sein pianistisches Können erlaubte es ihm,
mit hochrangigen Künstlern wie den
seinerzeit weltberühmten Geigern Joseph Joachim und Karl Klingler zu
musizieren. Wenn Albert Einstein das Plancksche Haus betrat, hatte er oft
seinen Geigenkasten unterm Arm, um mit seinem Freund Klaviertrio zu spielen;
den Cellopart übernahm dann Plancks Sohn Erwin. Doch auch als respektabler
Komponist, Sänger und Organist ist der Namensgeber unserer Schule
hervorgetreten.
Plancks zweite Leidenschaft galt
den Alten Sprachen. Die Präzision des Lateinischen und der
geschmeidige Fluss des Griechischen entsprachen seinem ausgeprägten
analytisch-ästhetischen Sinn und sollten auch seine Muttersprache nachhaltig
prägen. Ebenso stand Planck in sprachlicher Hinsicht unter dem Eindruck von
Goethes naturwissenschaftlicher Prosa, Alexander von Humboldts Abhandlungen
und den Vorlesungen seines Lehrers Hermann Helmholtz. Den besten Beweis
hierfür liefern seine Reden und Vorträge über naturwissenschaftliche,
philosophische und religiöse Themen, deren Stil den ungekünstelten Ton der
Mündlichkeit mit dem klassischen Deutsch des 18. und 19. Jahrhunderts
verbindet.
Planck
entschied sich für das Studium der theoretischen Physik, die damals
am Anfang einer steilen Entwicklung stand. Wesentlich durch ihn gewann sie
innerhalb der Naturwissenschaften immer mehr an Bedeutung, vor allem für die
Methoden- und Grundlagenreflexion. Im Dezember 1900 verkündete Planck – nach
vierjähriger Lehrtätigkeit in Kiel inzwischen bereits elf Jahre lang
Professor in Berlin – seine unerhört kühne Hypothese, dass Energie nicht
kontinuierlich, sondern nur in winzigen Energieportionen, den so genannten
Energiequanten, ausgestrahlt wird. Dies war in der Tat ein revolutionärer
Impuls; er sollte eine neue Epoche physikalischer Forschung einleiten, in
der die Quantentheorie den Schlüssel für das Verständnis atomarer Prozesse
lieferte. Plancks Idee durchdrang im Zuge der Herausbildung der
Quantenphysik alle Bereiche der modernen Naturwissenschaften und Technik.
Das führte zum Umbruch unseres Weltbildes und hat auch unseren Alltag
nachhaltig beeinflusst (Entwicklung von Transistoren und Lasern,
Fortschritte in der modernen Informationstechnik). 1918 erhielt Max Planck,
der die volle Tragweite seiner Hypothese erst nach und nach erkannt hatte,
den Nobelpreis für Physik.
Im Alter hat Planck durch seine
Fähigkeit gewirkt, die Leistungen anderer zu würdigen und zur Anerkennung zu
bringen. „Was er für richtig erkannt hat, hat er durchgeführt ohne Rücksicht
auf seine eigene Person“ (Lise Meitner). Bekannt ist sein Einsatz für Albert
Einstein, den er nach Berlin holte, wo damals Wissenschaft von Weltrang
betrieben wurde. 1930 wurde er Präsident der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft
zur Förderung der Wissenschaften und in den folgenden Jahren war er in
schlimmer Zeit als ein Wissenschaftsorganisator tätig, der als Gegner des
Nationalsozialismus sich dennoch zu Kompromissen gezwungen sah. Nach seinem
Ausscheiden aus der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (1938) widmete er sich in
allgemein verständlichen Vorträgen den großen Menschheitsfragen: Fragen nach
dem Weltbild der Gegenwart, nach dem Verhältnis von Kausalität und
Willensfreiheit, Fragen nach dem Verhältnis von Physik und Metaphysik oder
von Wissenschaft und Religion. Wenn er das Podium betrat, begriffen seine
Hörer unmittelbar, dass hier ein Repräsentant der alten deutschen
Geisteskultur stand.
Nach dem Ende der NS-Diktatur
wurde Planck noch einmal für kurze Zeit Präsident der
Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, die seit 1948 seinen Namen trägt. Seinen
letzten Vortrag hielt er am 28. März 1947 (gut ein halbes Jahr, bevor er am
4. Oktober 1947 in Göttingen starb) über „Sinn und Grenzen der exakten
Wissenschaft“. Die Schlussworte sind als Lebensmaxime und Vermächtnis Max
Plancks verstanden worden:
Wem es vergönnt ist, an dem
Aufbau der exakten Wissenschaft mitzuarbeiten, der wird mit unserem großen
deutschen Dichter sein Genügen und sein innerliches Glück finden in dem
Bewusstsein, das Erforschliche erforscht zu haben und das
Unerforschliche ruhig zu verehren.
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Letzte Änderung:
16.08.2010
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