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Kreisblatt am Sonntag, Ausgabe vom 5. Juni 2005

Berliner wissen genau: „Bergab geht‘s leichter“

Maxe-Theater begeistert mit politischem Theater

Ein geschlossenes Schwimmbad dient als Spiegelbild der Berliner Gesellschaft.
Von Jan Eric Fiedler
„Alles, was ich noch habe, sind dreißigtausend Euro Schulden und eine Smith & Wesson.“ Der gescheiterte Hightech-Unternehmer John, schön verbittert gespielt von Sören Wesemann, hat verstanden, was zurzeit in Deutschland passiert: Der Kuchen ist verteilt, die Krümel werden knapp.
Mit „Baden gehn“ wagen sich die Schüler der Musiktheater-AG des Max-Planck-Gymnasiums erfolgreich in den Bereich des politischen Theaters. Die Lage der Hauptstadt Berlin wird symbolisch auf ein Schwimmbad projiziert. Alles dreht sich um Arbeitslosigkeit, unnötige Bürokratie und Korruption.
Besucht wird das Schwimmbad von Rentnern, Arbeitslosen, Ausländern, Schwarzarbeitern und Kriminellen. In dem leeren Schwimmbecken haust ein Obdachloser. Bei der brisanten Zusammenstellung der Charaktere ist es verständlich, dass es schnell zu Konflikten kommt. Jeder weiß am besten, wieso Deutschland baden geht. Und mit Schuldzuweisungen wird auch nicht gespart.
Auf der grünen Liegewiese, in die die Bühne des Kleinen Hauses verwandelt wurde, ist deshalb kein faules Sonnenbaden angesagt: Es ist immer etwas los. Diebstähle, Beziehungskrisen und Streitereien erschüttern die Gäste. Mittendrin sitzt der Frührentner Walter Wattier, hervorragend gespielt von Eyke Swarovsky, der mit seiner lockeren Berliner Schnauze einen Spruch nach dem anderen ablässt. Wobei ein Großteil auf die Kosten seiner Frau Ingela (Katharina Siebers) geht. Der Galgenhumor ist das einzige, was vielen der desillusionierten Gästen geblieben ist. Doch neben den vielen lustigen Szenen weiß das Stück auch in den richtigen Momenten ruhige und kritische Töne anzustimmen.
Musikalisch begeisterten die zahlreichen Solo-Sänger und -Sängerinnen mit hervorragenden Leistungen. Die Mischung der Musik stimmte auch: Die Schülerband verbreitete mit Rock- und Samba-Rhythmen Stimmung. Mit kritischen und lustigen Texten wird klargestellt: „Bergab geht‘s leichter“. Leider spielte zeitweise die Technik nicht mit und die Musik übertönte den Gesang.
Ob nun „Rentner die Gangster des Jahrhunderts“ sind, wie es Julien Hansen und Helge Adrians in ihrem vom Publikum begeistert gefeierten „Rentner-Rap“ behaupten, oder die faulen Arbeitslosen die Schuld an der Krise haben, bleibt bei dem Stück offen. Nur das Au-pair-Mädchen Jessica aus Minsk (Nicole Nowotny) kennt die Lösung für alle Probleme: „Die Deutschen müssen lernen glücklich zu sein.“
Die Musiktheater-AG geht noch am heutigen Sonntag sowie am kommenden Mittwoch und am Freitag jeweils um 19.30 im Kleinen Haus baden.


Weserkurier, Ausgabe vom 6. Juni 2005

 

"Baden gehen" mit viel Applaus

Musik-Theater AG der Maxe feierte erfolgreiche Premiere / Rund 40 Mitwirkende

Von unserem Mitarbeiter Günter Matysiak

Am Freitagabend präsentierte die "Musik-Theater-AG Am Max-Planck-Gymnasium" ihr neuestes Stück: "Baden gehen - Ein Sittenbild mit Musik" von Volker Ludwig und Franziska Steinhoff mit Musik von Birger Heymann. Vom Autorenteam Ludwig/Heymann hatte die Maxe-Leute 1997 auch das berühmte "Linie1" gespielt.

"Baden gehen" folgt im Grunde dem gleichen Ideenmuster. Es versammelt die Underdogs unterschiedlicher Herkunft auf der Bühne, lässt sie von sich erzählen, lässt sie sich missverstehen und verstehen. Das Programmheft schreibt, Ludwig sei "politischer" und "zorniger" geworden, über das, was bei uns "falsch läuft".

Die Delmenhorster Inszenierung allerdings hält sich, was den Zorn betrifft, zurück. Abgesehen von dem Outcast Leo, der wirklich zornig ist, herrscht auf der Bühne eher ein heiter-melancholischer Fatalismus. Es geht um Berlin. Dort wird man ein Schwimmbad abreißen. Gegen den Willen all derer, die hier die Liegewiese bevölkern und trotz des bereits leeren Beckens "Pack die Badehose ein" singen. Berlin ist pleite, Berlin geht baden und versinkt im Müll, real und bildlich gesehen. Parallelen zu Delmenhorst sind offensichtlich, stehen brav formuliert im Programmheft ("Nun wollen wir hoffen, dass (…) alle Vor- und Nachteile sorgfältig abgewogen werden und eine für alle akzeptable Lösung gefunden wird").

Aber Ludwig muss kindlich-bürgerliche Obrigkeitsergebenheit wirklich in Kauf nehmen, lässt er sein Stück doch in schier unheimlich-utopischer Glückseligkeit enden Was bei den vorher geschilderten gesellschaftlichen Umständen, deren Vergegenwärtigung das Stück wie ein politisches Flugblatt durchzieht, Banalitäten und Klischees inbegriffen, nicht wenig verwundert. Und so ist schließlich wenigstens das Wetter schön, wenn auch "die Zukunft verammelt ist". Da wird der Schluss-Song fast zum Durchhalte-Schlager.

Durchaus positive Botschaften also. Auch die, dass der großmäulige, gescheiterte John zuerst durch ein Babyweinen am Selbstmord gehindert wird und sich dann die fleißig fürs Krankenschwesterexamen paukende Kati entscheidet. Er wird sie - Gymnasiastenglück heute? - abfragen. Für die anderen gibt es auch das zweisame happy end! Das Stück erzählt, weniger noch als "Linie 1", keine zusammenhängende Geschichte, seine Episoden sind noch lockerer gereiht. Das macht das Inszenieren nicht leicht. Das Regieteam Kristina Köhne/Herta Hoffmann ließ mit Liegewiesen-Realismus agieren, vielleicht hätten einige Anleihen beim plakativeren Regietheater die Stringenz und Dichte des ganzen gesteigert. Die Spielfreude, manchmal sogar das "Theaterblut" und die Leidenschaftlichkeit der Akteure hätten so etwas ganz und gar erlaubt. Das Bühnenbild mit der symbolisch immer bedeutsamen Schräge, der Leiter und dem Sonnenhimmel bot sich auch dazu an.

Wohl vierzig junge Schauspielerinnen und Schauspieler spielten, sangen und tanzten auf der Bühne: Sie müssen sich deswegen hier gemeinsam als sehens- und hörenswert loben lassen.

Es ist übrigens überwiegend eine neue "Generation Musik-Theater" am Maxe zu erleben, die sich aber schon mit aller Sicherheit und Lebendigkeit auf der Bühne auskennt. Es seien ihr noch viele interessante Stücke während ihrer Schulzeit gewünscht. Die Band unter der Leitung von Herta Schwender hinter der Bühne gab den Songs zu ihrer vokal-inhaltlichen Aussage die instrumental verstärkende Ausdruckshaftigkeit zwischen Songwriter-Ton und Rockigkeit.

Es gab langen, stehenden Applaus, strahlende Gesichter aller Mitwirkenden, ein strahlendes und mit Blumen beschenktes Leitungsteam.


DelmeReport, Ausgabe vom 5. Juni 2005

Packt die Badehosen aus!

Maxe-Musiktheater-AG überzeugte mit „Baden gehen“ im Kleinen Haus

 VON NICOLE BAUMANN

Berlin liegt seit Freitag an der Delme. Dafür haben die Akteure der Maxe­Musiktheater-AG gesorgt. Sie gingen baden - zusammen mit dem Premierenpublikum im Kleinen Haus. 

Die Freibadsaison ist eröffnet: „Pack die Badehose ein...“ Spaß, viel Spaß machte die Aufführung „Baden gehen“ der Maxe-Musiktheater­AG am Freitag im Kleinen Haus. Sie war nicht perfekt, nicht unbedingt professionell, dafür aber amüsant, voller Alltagskomik und -tragik, bereichert mit fetziger, teilweise melancholischer Musik. Dem Publikum hat der Ausflug ins „Freibad“ gefallen, stehende Ovationen und ein langer Applaus waren der Beweis dafür.

Einen hohen Wiedererkennungswert hatten die unterschiedlichen Charaktere, die, ganz nach Volker Ludwigs Fasson, baden gehen wollten - ohne Wasser und Komfort, dafür aber mit Elan und Zuversicht. Gemeinsam besetzten Arbeitslose, Pensionäre, Lebenslusti­ge, Casanovas, Girlies, Lebensmüde und Erfolgshungrige das Grün, breiteten ihre Handtücher und Klappstühle aus, diskutierten, stritten, versöhnten sich und lachten, obwohl es eigentlich wenig zu lachen gab. Manchmal schwammen die Protagonisten im Pool der Klischees, dann sprangen sie kopfüber ins politische Planschbecken, um sich letztendlich wieder unter die Dusche der Versöhnung zu stellen. Denn eines hatten alle gemeinsam: Sie wollten baden gehen.

Herausragende Talente zeigten vor allem Eyke Swarovsky als Pensionär Walter und Katharina Siebers in der Figur seiner Ehefrau Ingela. Beide wurden ihrer Rolle gerecht, hatten stets die Lacher des Publikums auf ihrer Seite. Sein her­vorragendes Gesangstalent stellte indes Freibadcasanova John (Sören Wesemann) unter Beweis. Gekonnt fetzte er sein „Herz aus Styropor“ ins Mikrofon. Ebenfalls als gute Inter­pretin zeigte sich Ma­ren Duda (in der Rolle der arbeitslosen Mut­ter). Mit „Hol mich hier raus“ zog sie das Publikum in den Bann. Ein absoluter Spaß: Der „Rentner-Rap“, dargeboten von Helge Adri­ns und Julien Hansen.

Alles in allem haben die Helden des Freibads eine sehenswerte Inszenierung geboten. Und: Die Delfina-AG hat viele neue

Mitglieder gewonnen...

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