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HEIMKEHR  DES  ODYSSEUS 

Dies ist das Dach. Die erste Sorge weicht.

Denn aus dem Haus steigt Rauch: es ist bewohnt.

Sie dachten auf dem Schiffe schon: vielleicht

Ist unverändert hier nur mehr der Mond.

Dieses wunderbare Gedicht von Bertolt Brecht, das er im Exil 1936 unter dem Eindruck des Verlustes seiner Heimat Deutschland geschrieben hat, haben wir als Motto an den Beginn unserer Aufführung gestellt. Zu allen Zeiten suchen Menschen einen Ort, an dem sie in Frieden mit den ihnen vertrauten Menschen leben können. Die Angst, Heimat und Verwandte durch Gewalt und Krieg zu verlieren, ist früher wie heute allgegenwärtig.

Der mythologische Stoff hat uns fasziniert und in der Bearbeitung von Inge Arnold, einer Schultheater-Leiterin aus Bamberg, erhält die alte Sage einen modernen Anstrich. Mit Witz und Ironie, aber auch mit Ernsthaftigkeit präsentiert diese Fassung der „Odyssee“ frei nach Homer die Irrfahrten des Helden.    

Archäologen vermuten, dass der Trojanische Krieg keine Phantasiegeschichte ist, sondern ein historisches Ereignis, das ins 12. Jahrhundert v. Chr. datiert wird. In der „Ilias“ des Homer, einem Meisterwerk der Weltliteratur aus dem 8. Jahrhundert v. Chr., wird erzählt, dass die Griechen gegen Troja zogen, um die schöne Helena zurückzuholen, die Frau des Königs Menelaos von Sparta, die der trojanische Königssohn Paris geraubt hatte.

Am Feldzug nach Troja nahmen fast alle griechischen Herrscher teil mit einer Flotte von etwa 1200 Schiffen und der entsprechenden Besatzung.  Odysseus, König von Ithaka, war allerdings nicht gewillt seine Heimat auf lange Zeit zu verlassen und gab vor, den Verstand verloren zu haben. Seine List wurde aber von den anderen durchschaut, er musste mit in den Krieg ziehen und wurde zu einem der wichtigsten Helden im Kampf um Troja, „speerberühmt“ und „geschickt im Kampfe“, so schreibt Homer. 

Als nach zehn Jahren blutiger, verlustreicher Schlacht, in die sich die Götter auf beiden Seiten tatkräftig einmischten, immer noch kein Sieger feststand, dachte sich der ideenreiche Odysseus den Einsatz des hölzernen Pferdes aus, mit dem die Stadt Troja erobert werden konnte. Die Griechen plünderten, nahmen gefangen und töteten, aber sie hatten kein besseres Geschick als die Besiegten. Die Götter waren über das unmenschliche Verhalten der Griechen in Troja so erzürnt, dass sie Odysseus und den anderen griechischen Fürsten großes Unglück schickten.

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 Sage mir, Muse, die Taten des vielgewanderten Mannes,

Welcher so weit geirrt nach der heiligen Troja Zerstörung,

Vieler Menschen Städte gesehen und Sitte gelernt hat

Und auf dem Meere so viel’ unnennbare Leiden erduldet,

Seine Seele zu retten und seiner Freunde Zurückkunft.

So beginnt Homer sein zweites großes Werk, das Epos über die Heimkehr des Odysseus, die „Odyssee“. Schon bei seinem Aufbruch nach Troja wusste Odysseus durch ein Orakel, dass er auf seiner Heimreise von Troja zehn Jahre umherirren sollte. Seine Abenteuer auf der langen Fahrt stehen symbolisch für unausweichliche Schicksalsschläge, aber auch für selbstverschuldetes Unglück im menschlichen Leben, für Situationen und Verhaltensweisen wie Liebe und Treue, Leichtsinn und Verführung, List und Mut, Freude und Schmerz. Als „vielgeprüft“ und “standhaft“ wird Odysseus gepriesen.

Ein Beispiel möge für die schwierigen Entscheidungen stehen, die Odysseus auf seiner abenteuerlichen Fahrt immer wieder treffen muss: Skylla und Charybdis.

Skylla, ein schreckliches Ungeheuer mit sechs Köpfen und jeweils drei Reihen von Zähnen, hauste auf einem Meeresfelsen. Von dort streckte sie ihre langen Hälse bis zum Meer hinab, um vorbeifahrende Seeleute zu verschlingen. Der Skylla direkt gegenüber lebte Charybdis, ein gurgelndes Ungeheuer, das dreimal täglich ungeheure Mengen Meereswasser verschlang, um es gleich wieder auszuspeien. Und wenn sich ein Schiff in der Nähe befand, wurde es angesogen und versank. Sechs Gefährten verlor Odysseus in dieser tragischen Situation, in der keine List half, weil jede eingeschlagene Richtung ins Verderben führte.

Alle Seeleute des Odysseus müssen auf dieser langen Irrfahrt sterben, nur der Held erreicht mit Hilfe seiner Beschützerin, der Göttin Athene, als einziger Überlebender der Kämpfer aus Ithaka wieder seine Heimat. Elend und zerlumpt steht er vor seiner Familie und seinen Freunden, die ihn nur mit großer Mühe wieder erkennen. Aber am Ende darf Odysseus seine Frau Penelope in die Arme schließen und sagen:

 „Ich bin daheim.“

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