
Den folgenden Text haben Schülerinnen und Schüler aus der Klasse 9e
(Schuljahr 2004/05) in der Albert-Einstein-Projektwoche geschrieben. Er ist
ein gelungenes Beispiel dafür, wie man kreativ mit Straßennamen umgehen
kann. Nebenbei lernt der Leser/die Leserin einiges über das Viertel, in dem
unsere Schule liegt.
Rundfahrt durch das Viertel unserer Schule
„Herzlich
willkommen zu unserer heutigen Viertelrundfahrt quer durch das Viertel rund
um die Albert-Einstein-Straße. Wie Sie an dem Straßenschild dort vorne
unschwer erkennen können, beginnen wir die Rundfahrt in eben der Straße, die
ihren Namen einem so wichtigen Mann verdankt. Wie Sie wissen, war
Einstein einer der berühmtesten Physiker, der 1879 in Ulm geboren wurde.“
„Den kenn ich! Das war doch der mit der
Formel E = mc², oder nicht?“
"Genau der! 1905 veröffentlichte er die spezielle und
zehn Jahre später die allgemeine Relativitätstheorie. Aber neben diesen
bahnbrechenden Theorien verfasste er auch eine Reihe von noch heute
wichtigen physikalischen Aufsätzen, die sich unter anderem mit der
Quantentheorie und dem photoelektrischen Effekt befassten, wofür er auch
1921 den Physiknobelpreis erhielt."
„Nicht für seine Relativitätstheorie?“
„Nein, das ist nur ein weit verbreiteter Irrtum.“
„Was passierte mit Einstein, als die Nationalsozialisten in Deutschland an
die Macht kamen?“
„Anfang der dreißiger Jahre, als Hitler die Macht übernommen hatte,
emigrierte Einstein in die Vereinigten Staaten und nahm eine Stelle am
„Institute for Advanced Study“ in Princeton, New Jersey, an, wo er bis zu
seinem Tod im Jahr 1955 lebte.“
„Ich habe gehört, dass Einstein an der Entwicklung der Atombombe beteiligt
gewesen sein soll?“
„Das stimmt so nicht ganz. 1939 unterzeichnete er nur auf Drängen einen
Brief an Präsident Franklin D. Roosevelt, in dem die Entwicklung von
Nuklearwaffen empfohlen wird. Doch dieser Brief und die Formel E = mc² waren
sein einziger Beitrag zur amerikanischen Atombombe.“
„Ach so.“
„Und schon
biegen wir in die Max-Planck-Straße ein.“
„Auf diese Schule dort bin ich früher gegangen.“
„Die Schule heißt Max-Planck-Gymnasium, welche nach dem gleichnamigen
Physiker Max Karl Ernst Ludwig Planck benannt wurde. Er wurde am 23. April
1858 in Kiel geboren und studierte neben Physik und Mathematik auch noch Musik und Medizin. Schon in
jungen Jahren galt er als hochbegabt und wurde bereits mit 27 Jahren
Professor für Physik. Um das Jahr 1900 begründete Max
Planck die Quantentheorie und legte damit die Grundsteine für ein völlig
neues Gebiet der Physik, der so genannten Quantenmechanik.“
„Das hört sich ja alles höchst kompliziert an.“
„Das ist es auch. Planck beschrieb, dass Energie in kleinen diskreten
Einheiten abgestrahlt wird, die er als Quanten bezeichnete. Weiter
entwickelte er eine universelle Naturkonstante, als Planck`sches
Wirkungsquantum bekannt, und später folgte das Planck`sche
Strahlungsgesetz.“
„Entschuldigung, aber ich habe kein Wort verstanden von dem, was Sie eben
erklärt haben, aber das macht ja nichts.“
„Da hab ich einen Tipp für Sie. Werfen Sie doch mal einen Blick in Plancks
Buch „Einführung in die Theoretische Physik“.
„Danke, das werd ich tun. Hat Max Planck auch einen Nobelpreis oder
Ähnliches bekommen?“
„Ja, er
wurde vielfach geehrt, unter anderem 1918, als er den Nobelpreis für Physik
für seine Quantentheorie erhielt.“
„Erzählten Sie nicht gerade, dass sich auch Einstein mit der Quantentheorie
beschäftigt hat? Gibt es da irgendwelche Verbindungen?“
„In der Tat. Max Planck, der 1947 starb, war ein großer Förderer von Albert
Einstein.“
„Kannte er auch noch andere Physiker seiner Zeit persönlich?“
„Tatsächlich kannte er auch andere Physiker persönlich. Max von Laue war
einer seiner Schüler und später auch sein Assistent."
„Da
wären wir auch schon, in der Max-von-Laue-Straße. Max
von Laue wurde am 9. Oktober 1879 in Pfaffendorf/ Koblenz geboren.“
„Das ist ja ein Zufall. Im selben Jahr wie Einstein.“
„Er studierte Physik an der Universität Straßburg bis er seine Doktorarbeit
bei Max Planck schrieb.“
„Was machte er danach?“
„Nachdem er seine Prüfung zum Professor absolviert hatte, beschäftigte er
sich mit der Relativitätstheorie Albert Einsteins und entwickelte sie
weiter. 1914 erhielt er den Nobelpreis für Physik für
seine Entdeckung der Beugung von Röntgenstrahlen beim Durchgang von
Kristallen. Außerdem bekam er die Max-Planck-Medaille und die
Adolf-von-Baeyer-Denkmünze.“
„Man wurde der oft geehrt! Der muss ja ganz schön schlau gewesen sein!“
„Er war aber nicht nur schlau, er war auch noch sozial kompetent. Er trat
nämlich während des Nationalsozialismus für Albert Einstein und die
„jüdische Physik“ ein."
„Nun genug
von Max von Laue, der ja mittlerweile schon 45 Jahre tot ist.
Kommen wir lieber zu Albert Schweitzer, der zwar kein
Naturwissenschaftler war, aber dennoch Namensgeber einer Straße in diesem
Viertel ist.“
„Er war doch Arzt, oder?“
„Unter anderem. Außerdem war er Theologe, Philosoph und Musiker. Im Elsass
erblickte er im Jahre 1875 das Licht der Welt. Obwohl er hauptsächlich als
Arzt in Afrika arbeitete, studierte er zuerst Theologie und Philosophie.
Erst als er 30 Jahre alt war, entschied er sich für ein Medizinstudium. Als
Missionsarzt engagierte er sich einen Großteil seines Lebens in Afrika, wo
er 1913 das Urwaldkrankenhaus Lambaréné im heutigen Gabun gründete. 1917
wurde er als Deutscher, aufgrund der Spannungen zwischen Deutschland und
Frankreich im Ersten Weltkrieg, in Frankreich festgenommen.“
„Wie konnte er später nach Afrika zurückkehren und seine Lambarénéstiftung
weiter unterstützen und fortführen?“
„Nach seiner über einjährigen Haft sammelte er Spenden durch Vortragsreisen
und Orgelkonzerte. Aufgrund seines Engagements wurde er 1952 mit dem
Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Wie Einstein, weist
auch Schweitzer als Weltbürger auf die atomare Bedrohung der Menschheit hin
und ist als Pazifist ein Gegner von Atomversuchen und atomarer Rüstung. Am
4. September 1965 starb er in Afrika.“ ….
„Nun kommen wir
zur letzten Station unserer Viertelrundführung, der Otto-Hahn-Straße. Obwohl
die Otto-Hahn-Straße nicht direkt mit den anderen eben durchfahrenden
Straßen verbunden ist, gehört sie dennoch zu dem Viertel, über das ich Ihnen
bis jetzt erzählt habe. Stattdessen ist sie indirekt über einen Fuß- und
Fahrradweg mit der Max-Planck-Straße verbunden. Aber nun zu Otto Hahn: Er
lebte von 1879 bis 1968.“
„War er nicht der Entdecker der Harnblase?“
„Mit der Harnblase hatte er nichts zu tun, außerdem wird er mit „h“ und
nicht mit „r“ geschrieben. … Wo war ich stehen geblieben? Ach ja! Otto Hahn
war ein berühmter Chemiker, der sich hauptsächlich mit organischer Chemie,
Radio- und Kernenergie beschäftigte.“
„Gibt es denn nicht ein Element namens Hahnium. Es müsste das 105te sein,
also ein künstliches Element, oder? Wurde es nach ihm benannt?“
„Ja, das ist richtig. Ihm zu Ehren als Chemiker wurde ein Element nach ihm
benannt. Er hat auch weitere Elemente entdeckt.“
„Er starb doch nach dem 2.Weltkrieg, oder? Was hat er während dieser Zeit
gemacht?“
„Während des 2. Weltkrieges setzte er zusammen mit seinen Kollegen seine
Forschungsarbeiten, die schließlich zur Entdeckung der Kernspaltung führten,
fort. Nach dem Krieg setzte er sich dann gegen den Missbrauch von
Kernenergie ein.“
„Kernenergie….besteht da eine Verbindung zu Einstein?“
„Das stimmt, denn Otto Hahns Forschungen im Gebiet der Kernspaltung und
Kernenergie sind ein praktisches Verfahren der speziellen
Relativitätstheorie, über die ich Ihnen schon berichtet habe. Es geht um
Energiefreisetzung, die äußerst stark ist. Schließlich bekam er den
Nobelpreis der Chemie für seine Arbeiten rund um die Kernspaltung im Jahr
1944.“
„Wir kommen nun zum Ende unserer Viertelrundfahrt und ich hoffe, es hat
Ihnen ein wenig gefallen und Sie haben gemerkt, warum ausgerechnet diese
Straßen ein eigenes kleines Viertel bilden.“
„Natürlich haben wir das gemerkt! Zuerst einmal waren alle diese Leute
Zeitgenossen und es gab ohne Ausnahme Verbindungen zu Albert Einstein. Und
zuletzt haben alle für ihre Arbeiten bzw. Verdienste einen Nobelpreis
bekommen.“
„Da bin ich aber froh, dass wenigstens etwas hängen geblieben ist. Ich
bedanke mich für Ihr Interesse und wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.“
|