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Das ist auf der ersten
Seite des kleinen Stadtführers zu lesen, den wir von der Rezeption unseres
modernen, sehr freundlich geleiteten Hotels im Zentrum von Miskolc
mitnahmen. Wir blätterten ein bisschen darin und waren erstaunt, wie viele
Gründe aufgelistet sind, warum wir Miskolc besuchen sollten. Der wichtigste
Grund war für uns natürlich das vierte Comenius-Treffen, das vom 20. bis 24.
Mai 2006 vom Reformierten Gymnasium in Miskolc organisiert wurde. Darüber
hinaus gibt es hier das erste Theater in Ungarn, das aus Stein errichtet
wurde (1823) und in dem Aufführungen in ungarischer Sprache stattfanden, was
angesichts der österreichischen Vorherrschaft ein wichtiges Zeichen des
nationalen Bewusstseins der Ungarn war. In der hübschen barocken Innenstadt
ist der Erzsébet-Platz am schönsten. Wie in vielen Städten Ungarns wird an
Kaiserin Elisabeth (Sissi) erinnert, die die Ungarn in ihren nationalen
Bestrebungen unterstützt hat. Lajos Kossuth, der nationale Held der
ungarischen Revolution von 1848/49, wird hier mit einem eindrucksvollen
Denkmal geehrt. Mitteleuropas schönste und größte Ikonostase (16 m hoch)
zeigt in der griechisch-orthodoxen Kirche auf 88 Bildern das Leben von
Jesus. Die aus der Umgebung herausragende viertürmige Burg Diósgyör beweist,
dass Miskolc schon im Mittelalter Sitz der ungarischen Könige war. Ein
weiteres Highlight, das wir auch genießen durften, ist das Thermalbad mit
heilender Wirkung, das – einzigartig in Europa - in einem natürlichen
Höhlensystem im Stadtteil Tapolca eingerichtet ist.
Selbstverständlich haben
wir nicht nur gebadet, sondern auch intensiv an unserem Projekt „COMETS“
gearbeitet, das nun schon das letzte Jahr vor sich hat. Hinter uns liegen
hervorragende Ergebnisse wie die Straßenzeitung und der Straßenfilm, jetzt
geht es an die Arbeit zu unserem Endprodukt, dem Plan einer europäischen
Stadt. Jede Schülergruppe hat im Frühjahr eine Auswahl von Straßennamen in
den sechs bekannten Kategorien (s. Straßen-zeitung) getroffen, zusätzlich
wurden Ideen zu Straßennamen gesammelt, die mehr utopischen Charakter haben
und wichtige Werte benennen, wie z. B. Straße der Solidarität oder Platz der
freien Rede. Auf der Grundlage der in Bialystok vorgelegten Entwürfe der
Schüler, welche Institutionen eine ideale Stadt unbedingt enthalten sollte,
wurde in Miskolc von einer Gruppe von gewählten „Bürgermeistern“ ein
Stadtplan aus sieben Stadtteilen erstellt (angelehnt an die sieben Hügel
Roms!), in denen mitgebrachte Fotos von Rathäusern, Kirchen, Schulen,
Bahnhöfen usw. ihren Platz fanden. Außerdem wurden aus der Fülle der
mitgebrachten Straßennamen von den internationalen Gruppen jeweils sechs
Straßennamen für den Stadtteil jeder nationalen Gruppe ausgesucht, deren
Hintergründe und Geschichte sie erkunden und im Text und Bild für den
virtuellen Stadtplan nach Helsinki mitbringen muss. So arbeitet die
Comenius-AG in Delmenhorst als Vorbereitung für das Treffen in Helsinki im
November 2006 an der Bedeutung folgender Straßennamen mit europäischem
Bezug: Kopernikus-Straße, Friedensstraße, Leonardo da Vinci-Straße,
Beethoven-Straße, Tschardas-Straße, Snipers Street. Aus jedem Land kommt ein
Name, wir sind mit allen einverstanden, nur mit der finnischen Snipers
Street haben wir etwas Probleme, denn „Snipers“ sind eigentlich
Scharfschützen. Nun müssen unsere Schülerinnen und Schüler herausfinden,
warum die eigentlich so friedlichen Finnen auf ihrer „Scharfschützen-Straße“
beharren. Stoff für Diskussionen gibt es immer wieder in diesem
internationalen Projekt.
So saßen wir in Miskolc
vor einem gewaltigen Stadtplan mit sechs Stadtteilen und einem Zentrum aus
Gebäuden, Straßen, Parks, alles mit viel Mühe phantasievoll gestaltet.
Dieser Plan bleibt in Miskolc und wir machten glücklich über die gelungene
internationale Zusammenarbeit digitale Fotos, die wir in Helsinki für den
virtuellen Stadtplan brauchen.
Außerdem nahmen wir die
Eindrücke von einem sonntäglichen Gottesdienst in der alten reformierten
Kirche und von zwei Ausflügen in die idyllische Umgebung von Miskolc, in der
der berühmte Tokajer Wein wächst, mit nach Hause. Wie vielfältig und
spannend ist Europa! |