
Mit einer Zeitung
zurück aus Italien
Arbeitsreich waren die Tage des zweiten
Comenius-Treffens vom 26. April bis 1. Mai 2005 in San Miniato. Sechs
Partnerschulen brachten eine Fülle von interessanten Texten und Bildern als
Ergebnis ihrer Forschungen zu den Straßennamen ihrer Heimatstadt mit. Daraus
in drei Tagen eine achtseitige Zeitung erstellen? Eine große
Herausforderung! Wir haben sie im Team gemeistert, Franzosen, Italiener,
Finnen, Polen, Ungarn und Deutsche zusammen. Das Produkt, das wir wenige
Wochen nach diesem Treffen gedruckt in den Händen hielten, kann sich sehen
lassen. Die Zeitung ist eine bunte Mischung aus ganz unterschiedlichen
journalistischen Textsorten und in jedem Fall sehr kreativ und informativ
gestaltet. So schreiben die Schülerinnen und Schüler aus Delmenhorst ein
fiktives Interview mit Otto von Bismarck, das in witziger Art sehr viel
Wissen über den ersten deutschen Reichskanzler vermittelt, sie erstellen
eine Zeittafel zur Geschichte der Nordwolle, geben eine Einblick in den
Streit um die Umbenennung unserer Schule in Max-Planck-Gymnasium (vorher
Gymnasium an der Max-Planck-Straße) und lüften das Geheimnis, woher der
kuriose Name „Am Poggenpohl“ stammt. Die Italiener testen das Wissen ihrer
Leser mit einem Kreuzworträtsel über Pinocchio und Collodi und einem Quiz
über Columbus und Vespucci. Die Franzosen geben die Familiengeschichte von
Marcel Pagnol preis und informieren über die Bedeutung ihrer Heimatstadt
Marignane für die Geschichte der Luftfahrt. Die Ungarn haben in fast jeder
Stadt eine Petöfi Straße, ganz klar, er war der große Dichter, Denker und
Revolutionär in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Kurzum der
ungarische Nationalheld! Die wenigen Beispiele reichen wohl aus um zu
zeigen, dass sich die Lektüre dieser Zeitung wirklich lohnt!
Alle Texte sind in englischer Sprache
verfasst, auf der Titelseite allerdings kann der Leser die Ziele unseres
Projekts in sechs verschiedenen Sprachen lesen. Die Zeitung ist ein
großartiges Beispiel für Vielfalt und Einheit in Europa.
Neben der Arbeit kam die Kultur nicht zu
kurz. San Miniato, in der Mitte zwischen Pisa und Florenz, Lucca und
Volterra gelegen, lädt ein, die reiche Geschichte und Gegenwart der Toskana
zu erkunden. Dieses günstige Lage auf einem Hügel, von dem aus man eine
weite Ebene überblicken kann, an der Kreuzung zweier wichtiger Straßen,
machte sich schon der Staufer-Kaiser Friedrich II. zunutze, indem er eine
gewaltige Burg mit einem imposanten Turm erbauen ließ (1217 bis 1223). Von
hier aus ließ sich Herrschaft sichern. Dieser Turm, das Wahrzeichen von San
Miniato, wurde 1944 von der deutschen Wehrmacht gesprengt und von 1956 bis
1958 wieder aufgebaut. San Miniato ist ein typisches Städtchen in der
Toskana, alte Häuser, enge Gassen, verträumte Winkel und alles lädt zum
Schauen und Verweilen ein. Besonders begeistert waren wir natürlich von dem
Ensemble aus Baptisterium, Dom und Campanile in Pisa, aus weißem
Carrara-Marmor erbaut, der schönste Platz der Welt, wie viele Besucher zu
Recht behaupten. „Er ist ja tatsächlich schief“, Anne, Carolin, Natalie,
Sara und Sylvia konnten sich gar nicht satt sehen an den unterschiedlichen
Ausblicken in der Stadt auf den Schiefen Turm und immer sah er anders aus!
Ganz in der Nähe von San Miniato liegt
Vinci, ein kleiner Ort, aus dessen Umkreis das Universalgenie Leonardo
stammt. Seine Erfindungen sind in einem eindrucksvollen Museum dokumentiert
und zeigen den Besuchern die Anfänge des modernen Europa.
Den letzten Tag widmeten wir der Stadt
Florenz, die wir in der Fülle ihrer Monumente und Museen nur ansatzweise
erfassen konnten. Nach Schätzungen der UNESCO ist nahezu jeder zehnte
besonders erhaltenswerte Kunstschatz der Welt in Florenz zu sehen.
Michelangelos David, dieser gigantische Jüngling, den der geniale Bildhauer
im Alter von 26 Jahren aus einem Marmorblock schlug, erschien uns wie ein
Symbol für diese atemberaubend schöne Stadt.
Arrivederci Toscana, wir kommen wieder!
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Letzte Änderung:
20.03.2010
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