
Es war eine interessante Einladung, die wir im
März aus Veendam, in der Nähe von Groningen gelegen, erhielten. Unsere
Deutschkollegin Greetje Boer aus dem Schulzentrum Winkler Prins fragte an,
ob wir sie in der Sprachwerkstatt Deutsch für die 8. Klassen unterstützen
wollen. Seit Dezember 2008 besteht schon ein Briefaustausch zwischen einer
8. Klasse im Winkler Prins und unserer bilingualen Klasse 8. Wir waren
sofort begeistert und machten uns mit einer Maxe-Delegation (drei
Kolleginnen, ein Kollege und zwölf Schülerinnen und Schüler aus der
Europa-AG) am 16. April auf den Weg. Neugierig waren wir auf diese Schule,
die eine breite Ausbildung bietet, vom berufsvorbereitenden Praxisunterricht
bis zum Gymnasium. Vorher hatte uns ein Holländisch sprechender Kollege die
Homepage der Schule ein bisschen übersetzt:
Das Winkler Prins ist eine große
Schulgemeinschaft. Die Schule ist aufgeteilt in Lernhäuser. Jedes Lernhaus
besteht aus ungefähr zehn Klassen und hat ein festes Team an Dozenten und
Mitarbeitern. Wenn man von einem Schultyp zum anderen wechseln will, muss
man nicht die Schule verlassen. Das Winkler Prins bietet einen modernen
Unterricht. -
Sehr herzlich wurden wir mit Kaffee, Tee und
leckerem Honigkuchen empfangen. Alles war bestens organisiert. In zwei
Gruppen aufgeteilt konnten wir jeweils an der Sprachwerkstatt mitwirken bzw.
begleitet von holländischen Schülern einen Rundgang durch die Stadt machen.
Nach der Mittagspause wurde mit dem Programm gewechselt.
Beginnen wir mit der Sprachwerkstatt. Die
Maxe-Schüler arbeiteten mit gleichaltrigen holländischen Elftklässlern in
einem Team. Wirklich beeindruckend fanden unsere Schüler ihre guten
Deutsch-Kenntnisse. Mit ihnen zusammen waren sie die Ansprechpartner für
Schüler der 8. Klassen, die gegen Ende ihres ersten Jahres Deutschunterricht
an vier Stationen anspruchsvolle Kommunikationssituationen auf Deutsch zu
meistern hatten. Sankt Andreasberg im Harz bot den äußeren Rahmen, in dem
sich die holländischen Schüler in einem Fremdenverkehrsamt, einem
Restaurant, beim Arzt und in der Polizeiwache zurechtfinden mussten. Ganz
ernsthaft gingen holländische und deutsche Elftklässler gemeinsam auf die
Äußerungen der sehr bemühten und auch aufgeregten Achtklässler ein. Diese
trugen einen Pass bei sich, in dem ihnen ihre Sprachkenntnisse von „sehr
gut“ bis „sehr schlecht“ bescheinigt wurden. Da sie die älteren Schüler aus
der gymnasialen Oberstufe (sie sind in einem anderen Gebäude untergebracht)
nicht kannten, wussten sie tatsächlich nicht, ob sie nun einen deutschen
oder holländischen Schüler vor sich hatten. Schlechte Noten gab es nach
Aussage unserer Schüler von ihnen selbst nicht! Den Grundgedanken, dass
Schüler mit Schülern lernen, fanden die Delmenhorster sehr gut, die Benotung
hätten sie aber lieber uns Lehrern überlassen. Die holländischen Mitschüler
waren offensichtlich geübter in diesen Lernsituationen und sehr viel mutiger
in der Notengebung. Die Kommunikation mit den Gleichaltrigen lief über die
gemeinsame Aufgabe gut, allerdings hätten sich unsere Schüler mehr Zeit für
freie, private Gespräche gewünscht. Diese Bemerkung macht Mut für weitere
Begegnungen.
Auf unserem Stadtrundgang lernten wir einen
gemütlichen Ort kennen, mit vielen hübschen Häusern und einer langen
Fußgängerzone. Veendam und Delmenhorst liegen nicht weit voneinander
entfernt in einer grenzübergreifenden Region, die unterstützt durch die EU
einen regen Kontakt pflegt. Es gibt das gemeinsame Europäische und es gibt
das Typische, das wir sofort erkennen, wenn wir den Nachbarn besuchen: Wir
Lehrer sahen es in der Architektur und unsere Schüler schwärmten von den
kulinarischen Genüssen („Appelflappen“!).
Wirklich gestaunt haben wir über die Schule:
hochmodern, mit den neuesten Computern ausgerüstet, farbenfroh gestaltet,
sauber. Wir fanden eine entspannte Atmosphäre und Schüler, die sich daran
halten, dass nur in der Mensa gegessen und getrunken werden darf.
Brötchenreste auf den Fluren und Schokoladenpapier im Klassenzimmer gibt es
an dieser Schule nicht!
Wir Kollegen haben in unseren Gesprächen in
Veendam gute Ideen für eine weitere Zusammenarbeit entwickelt und wir
Delmenhorster Lehrer und Schüler hoffen, dass diese Begegnung ein erster
Schritt auf dem Weg zu einer lebendigen deutsch-holländischen Partnerschaft
ist. |

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Letzte Änderung:
15.11.2011
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