
Austauschschule des Max-Planck-Gymnasiums
Delmenhorster Kreisblatt (Mittwoch, 3. November 2001) (lau)
Erleichterung nach der Rückkehr:
Maxe-Schüler berichten vom ersten USA-Austausch - "Anschläge nicht Hauptthema"
Amerika-Fotos machen die Runde, Erinnerungen werden wach. "Die Amerikaner
haben uns sehr herzlich empfangen, und meine Austauschfamilie hat mir angeboten, sie im
nächsten Jahr zu besuchen, wenn ich Zeit und Geld habe", sagt Lüder Schulze. Der
16-jährige Schüler des Gymnasiums an der Max-Planck-Straße ist einer von zwölf
Schülern, die im Oktober für vier Wochen in Tucson/Arizona waren. Der erste Austausch
mit der Cholla High Magnet School im sonnigen Süden der Vereinigten Staaten war nach den
Worten der beiden Englischlehrerinnen Christel Becker und Astrid Geisler ein Erfolg.
Geisler und Becker haben die Gruppe begleitet und betonten gestern in
einem Pressegespräch in der Schule, dass sie "heilfroh" seien, mit den
Schülern wohlbehalten wieder in Deutschland gelandet zu sein. Der erste, lange geplante
USA-Austausch stand nach den Terroranschlägen auf die USA auf der Kippe. Zwei Schüler
hatten die Reise aus Angst vor Anschlägen abgesagt.
Im Alltag der Amerikaner in Tucson, weit weg von den Unglücksstädten New York und
Washington D.C., hatten die Attentate nach den Worten der Schüler keine große Rolle
gespielt: "Ich habe mit meinem Austauschschüler zwar darüber gesprochen, aber es
war nicht das Hauptthema", sagte Lüder. Eric Claaßen (17) hat beobachtet,
"dass der Patriotismus unter den Amerikanern stark zugenommen hat." Viele
hätten Amerika-Fahnen oder -Anhänger bei sich gehabt. Auffällig seinen außerdem die
starken Sicherheitsvorkehrungen an den Flughäfen gewesen.
Aufgefallen ist den deutschen Schülern außerdem, was für die amerikanischen
Jugendlichen wohl völlig normal ist. So beispielsweise die tägliche Lunch-Time. Sich
schon um 10.55 Uhr Pommes, Pizza, Burger und Cola schmecken zu lassen, sei schon etwas
gewöhnungsbedürftig. An das breite Fächerangebot an der High School gewöhnten sich die
Schüler hingegen schnell. Theater, Ballett, Orchester und Recht - diese Kurse würden
einige der Gymniasiasten gerne auch an ihrer Schule belegen.
Schulleiterin Cordula Fitsch-Saucke sagte gestern, dass derartige Besuche auch künftig
ein wesentliches Element der Sprachbildung an der Schule sein sollen. Die Amerikanischen
Schüler kommen Ende Mai nach Delmenhorst.
Delmenhorster Kurier (Mittwoch, 7. November 2001)
Eine Schweigeminute beim Rodeo
Schüler des Gymnasiums Max-Planck-Straße aus den USA zurück
/ Von Angst vor Terror nichts zu spüren
"Hoffentlich bringen wir sie heil wieder nach Hause." Astrid
Geisler hatte einige schlaflose Nächte, bevor sie am 4. Oktober mit zwölf Schülerinnen
und Schülern des Gymnasiums an der Max-Planck-Straße zu einem Schüleraustausch in die
USA startete. Der Terroranschlag aud New York und Washington wenige Wochen zuvor hatte zu
ausgiebigen Überlegungen geführt, ob eine Reise zu diesem Zeitpunkt verantwortbar war.
Die Reise fand statt, jetzt brachten sie und ihre Kollegin Christel Becker alle
Schüler wohlbehalten zurück - mit vielen positiven Erfahrungen und dem festen Willen auf
Fortsetzung des Austausches mit der Partner-High-School in Tucson, Arizona.
Von den Terroranschlägen hatten sie in Tucson nicht viel mehr mitbekommen als
zusätzliche Wachtposten an den Flughäfen. "Beim Rodeo", fügt Nadine Ungar
(17) hinzu, "gab es eine Schweigeminute und die Nationalhymne wurde gespielt",
und den Beginn des Krieges der Amerikaner gegen Afghanistan nahmen die Delmenhorster nur
am Rande wahr. Christel Becker etwa erfuhr davon beim Sonntagsgottesdienst, wo sich die
Nachricht wie ein Lauffeuer verbreitete. Für die meisten anderen war es ein
Fernsehereignis. Das war's.
Mehr Eindruck hinterließen dagegen die Besuche beim Football-Spiel und in einem
Western-Filmstudio oder die Ausflüge zu riesigen Kakteen-Wäldern und zum Grand Canyon.
Dazu das Leben in der amerikanischen High-School, die zu größten Teil von amerikanischen
Schülern mexikanischer Herkunft besucht wird. Den Unterricht loben die Maxe-Schüler
durchweg als besonders "schülergerecht" und "praxisorientiert", die
Lehrer als freundlich, den Umgang als familiär. Den Lehrerinnen gefiel die gute
Ausstattung der Schule. Unterschiedlich lange Schulstunden und das Lunchpaket aus Pommes,
Pizza oder Burger um 11 Uhr vormittags empfanden die Jugendlichen dann allerdings ein
bisschen ungewöhnlich.
Unterschiede zu deutschen Schulen gab es auch beim Stundenplan. Jeweils ein halbes Jahr
lang werden die Schüler in Tucson in täglich in den gleichen jahrgangsgemischten Kursen
unterrichtet - die Palette reicht von Physik bis Theater. Dass ein Lehrer seine Schüler
dadurch viel besser kennen lernt, findet die 16-jährige Daniela Dilingart bemerkenswert:
"Der kann sie dadurch viel besser verstehen." Und dem gleichaltrigen Lüder
Schulze hat die Ernsthaftigkeit beeindruckt, mit dem sein Gastgeber Brandon jeden
Nachmittag zum Schwimmtraining ging: "Sport wird sehr ernst genommen."
Mit dem Schuüleraustausch hat sie für Schulleiterin Cordula Fitsch-Saucke ein lang
gehegter Wunsch erfüllt. Nach erfolglosen Versuchen, in Großbritannien eine
Partnerschule zu finden, hatte sich der Kontakt zu Tucson ergeben. Das sei ein Erfolg in
den Bemühungen der Schule, das Fach Enlisch zu stärken. Für diejeningen, die jetzt in
den USA waren, hat sich der Austausch auf jeden Fall schon gelohnt.
Verständigungsprobleme hatten die Zehn- und Elfklässler nach einer kurzen
Gewöhnungsphase an den amerikanischen Akzent nicht mehr. Ende Mai erwarten sie ihre
Gastgeber aus Tucson zum Gegenbesuch.
Bis dahin, so ist zwischen den Zeilen zu erfahren, werden die Schüler die Kontakte
sicherlich via E-Mail aufrecht erhalten. Denn die freunliche Aufnahme in den
Gastgeberfamilien und die vielen gemeinsamen Unternehmungen hatten hier und da beim
Abschied von den neuen Freunden Tränen aufsteigen lassen.
Delmenhorster Kurier (Mittwoch, 28. Mai 2002)
Ein alter Schüleraustausch führt zu einem neuen
Austausch Maxe - Arizona: Partnerlehrerin lernte vor 30
Jahren ihren Delmenhorster Mann kennen
Nun sind sie das erste Malin Deutschland und viele hardern mit
ihrem Gastland vor allem wegen der Kälte. 13 amerikanische Schüler aus Tuscon/ Arizona
sind für drei Wochen im Austausch mit dem Max-Planck-Gymnasium, der Gegenbesuch zu dem
Delmenhorster Aufenthalt im Oktober letzten Jahres. Mit einem Frühstück und einer
Begrüßungsrede durch die Schulleiterin Cordula Fitsch-Sauke wurden die Amerikaner in der
Schule empfangen. Und mit einem großen Transparent im Eingang: "Herzlich Willkommen,
American Guys".
Und die Zusammenkunft geht eigentlich auf einen alten Schüleraustausch zurück:
Die amerikanische Lehrerin Joyce Meyer war vor 30 Jahren im Rahmen ihres
Schüleraustausches zum ersten Mal in Delmenhorst (bei dem mittlerweile verstorbenen
Pastor Kunokiavitz), dabei lernte sie ihren jetztigen Mann kennen, den sie vor elf Jahren
heiratete. Und über die familären Verbindungen entstand letzenendlich auch dieser
Austausch. Denn eine Schwierigkeit gibt es mittlerweile mit englisch-sprachigen Ländern:
"Weder die Amerikaner noch die Engländer haben heutzutage noch ein Interesse daran,
weil die Sprache Deutsch einfach nicht mehr so gefragt ist", berichtet die deutsche
Austauschlehrerin Astrid Geisler.
Sie hat zusammen mit ihrer Kollegin Christel Becker das Programm für die kommenden
drei Wochen organisiert. So gewinnen die Amerikaner am Donnerstag einen ersten Eindruck
von Bremen, über das Produkt, das Bremen weltweit bekannt gemacht hat: Die Brauerei Beck
& Co. wird besichtigt. Am Freitag geht es zu einem gemeinsamen Theaterbesuch: Premiere
im Schultheater. Am Montag, 3. Juni führt eine Fahrt nach Hamburg mit Stadtbesichtigung
und Hafenrundfahrt, am 5. Juni folgt ein Tagesausflug auf die Nordseeinsel Norderney.
Highlight des Aufenthalts wird sicherlich die Fahrt in die süddeutsche Metropole München
sein - ohne Oktoberfest. Für Montag, 17., und Dienstag, 18. Juni sind Projekttage an der
"Maxe" vorgesehen. Ein deutlicher Schwerpunkt wird aber auf die Aktivitäten in
den Familien gelegt.
Die PAare haben sich schon bein Aufenthalt in den Vereinigten Staaten gefunden: Die
amerikanischen Gäste wohnen jetzt bei den deutschen Schülern, die bei ihnen Aufnahme
fanden. Doch nicht für alle Bekannten gab es ein Wiedersehen: Der dreiwöchige Aufenthalt
in Deutschland wurde von den schulishen Leistungen an der Cholla Magnet High School in
Tuscon abhänging gemacht und für einigen Schüler reichte es eben nicht. Überhaupt
mussten die Schüler für den Austausch einige Entbehrungen hinnehmen: Seit langer Zeit
arbeiten die Schüler neben der Schule, um den Austausch zu finanzieren, berichtet die
begleitende Lehrerin Joyce Meyer.
Obwohl die Amerikaner Deutschunterricht an ihrer Schule erhalten, sind ihre
Kenntnisse nicht sehr ausgeprägt: "Ich kann mich vorstellen, aber Dialogen und Reden
kann ich nicht folgen. Die Deutschen reden so schnell", sagt in einem nicht gerade
langsamen Amerikanisch die Austauschschülerin Melissa House (17), die bei ihrer
Delmenhorster Austauschschülerin Birte Schnöink zu Gast ist. Ein Grund wohl auch, warum
die Schulleiterin Fitsch-Sauke die Begrüßungsrede auf Englisch hielt. Sie verwies
darauf, dass der Schüleraustausch - Besuch und Gegenbesuch - eingebettet seien in einen
weltpolitisch brisantenZusammenhang, der durch Krieg, Zerstörung, Flucht, menschliches
Leid und weltweite Gefahren geprägt sei. "Ich hoffe und wünsche mir, dass der
deutsch-amerikanische Schülerautausch hierzu seinen Beitrag leistet, dass die Begegnung
der jungen Gerneration zu freundschaftlichen Beziehungen führt und Völkerverständigung
fördert."
Und der erste Eindruck von Delmenhorst, was sagen die Amerikaner? "Mir
gefällt das viele Grün hier. Gestern schon habe ich einen Spaziergang durch die
Graftanlagen gemacht", sagte ein amerikanischer Guy. |

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Letzte Änderung:
22.03.2010
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