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Delmenhorster Kurier, Ausgabe vom 30. Mai 2006

Abenteuer mit Verspätung
Austauschschüler aus Tucson im US-Staat Arizona am Maxe zu Gast

Von unserer Mitarbeiterin Ute Winsemann

Eine einzige Glühbirne ist schuld, dass der Besuch von 15 Austauschschülern aus den USA am Max-Planck-Gymnasium mehr als einen Tag kürzer ausfällt als geplant. Weil die Birne kaputt war, startete das Flugzeug in Oakland erst mit dreistündiger Verspätung. Dann war der Anschluss weg und eine Übernachtung in Denver fällig, und es wurde Sonnabendabend statt Freitagmittag, bis die Jugendlichen mit der begleitenden Lehrerin Joyce Meyer in Delmenhorst eintrafen. Das Gepäck brauchte sogar noch einen Tag mehr. Die Schüler hätten das ganze jedoch eher als Abenteuer angesehen und in den Zwangspausen unterwegs einfach schon mal angefangen, die Geschichte per Videokamera festzuhalten, berichtete Meyer gestern bei der offiziellen Begrüßung der Maxe-Leiterin Cordula Fitsch-Saucke. Die hatte zuvor Gäste und Gastgeber aufgefordert, den Austausch als Gelegenheit zur Völkerverständigung im Kleinen zu nutzen, sich zu begegnen, miteinander zu sprechen und den Alltag zu teilen.
Der hielt für die Mädchen und Jungen aus der Cholla High Magnet School in Tucson, der zweitgrößten Stadt des Staates Arizona, in der kurzen Zeit schon so manche Überraschung bereit. Zum Beispiel beim Essen. Das sei doch ziemlich anders als bei ihnen zu Hause, waren sich alle einig. Und offenbar nicht immer leicht zu finden. Sie hätte zunächst erfolglos nach dem Kühlschrank gesucht, berichtete etwa eine Schülerin, weil sie ihn nicht hinter der bei ihnen unüblichen Einbau-Front vermutete, die wie ein ganz normaler Schrank wirkte. Gleich mehrere Gäste unterhielten sich verwundert über eine weitere Entdeckung: Lebensmittel würden im Keller gelagert.
Was aber keineswegs als Zeichen höhlenmenschartiger Rückständigkeit gewertet wurde. Im Gegenteil. Sie hätten sich Deutschland nicht so fortschrittlich vorgestellt, gestanden die Jugendlichen. Zum Beispiel, dass in fast jeder der Gastfamilien ein Hochgeschwindigkeits-Zugang zum Internet vorhanden sei, habe er nicht erwartet, meinte ein Junge.
In anderer Beziehung ist dagegen weniger Technik gefragt, als die Jugendlichen gewohnt sind. Im heißen Südwesten der USA, nicht allzu weit weg von Mexiko, wird für den Schulweg im allgemeinen ein klimatisiertes Auto benutzt, hier ist Radfahren bei Schmuddelwetter angesagt. Worauf sich die Gäste aber gern einlassen wollen. Nicht nur, weil alles gut zu erreichen sei. Sondern auch, weil die Schüler, die seit zwei bis drei Jahren Deutsch lernen, bewusst "alles, was deutsch ist," mitmachen wollen, wie Meyer sagte.
Dazu soll nach Planung der für den Austausch zuständigen Maxe-Lehrerinnen Christel Becker und Marlen Morisse bis zum 16. Juni neben Unterricht und Freizeit in den Familien auch ein gemeinsamer Ausflug von Gästen und Gastgebern nach Norderney gehören. Eine mehrtägige Reise an den Rhein bleibt dagegen nur den Amerikanern vorbehalten.

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