Delmenhorst.
„Ich erzähle euch heute was über Mord und Totschlag“, beginnt Sandra Lübkes.
Damit hat sie die Aufmerksamkeit der Schüler schon gewonnen. Drei Klassen
der achten und neunten Stufe sind in die Bibliothek gekommen, um die
Krimiautorin zu treffen. Eine zweite Lesung für weitere drei Schulklassen
folgt.
Lübkes
berichtete zunächst von einer Leiche, die auf ihrer Heimatinsel Juist
angeschwemmt wurde. „Ich habe einige Details verändert und einiges
ausgeschmückt.“ So machte sie aus der wahren Begebenheit eine Kurzgeschichte
– die sie den Schülern auch nicht vorenthalten wollte. Der Kurzkrimi wirft
beim jungen Publikum erste Fragen auf: „Haben Ihre Geschichten alle reale
Vorbilder?“ Und: „Wie lange brauchen Sie für einen Krimi?“
„Ich schreibe
relativ schnell“, antwortet Lübkes. Für einen Roman reichten ihr oft vier
bis fünf Monate. Meistens basierten die Geschichten auf realen Ereignissen.
Die 35-Jährige hat sich auf Krimis mit norddeutschen Schauplätzen
spezialisiert. Aufgewachsen ist sie auf der Nordseeinsel Juist, mittlerweile
lebt sie in der ostfriesischen Kleinstadt Norden. Sieben Romane und
zahlreiche Kurzgeschichten hat sie veröffentlicht, ihr neuestes Werk ist die
Kurzkrimi-Sammlung „Wellengang“. Außerdem singt sie Chansons und hat schon
Texte für eine Rockband geschrieben.
Die Idee, die
Autorin nach Delmenhorst einzuladen, stammt von Deutschlehrerin Wilke Timm:
„Ich habe sie bei einer Lesung auf Spiekeroog erlebt und dachte, das wäre
doch mal was, um die Schüler fürs Schreiben zu begeistern.“ In ihrem
Unterricht konnten sich die Schüler bereits selbst als Krimiautoren
versuchen, indem sie das Ende zu einer Kurzgeschichte von Lübkes schrieben.
„Aber wie plant
man, wenn man einen ganzen Roman schreibt?“, will eine Schülerin wissen.
„Ich mache keinen großen Plan, sondern schreibe einfach drauf los“,
beschreibt Lübkes ihre Arbeitsweise. Zudem gibt sie Tipps, wie der Aufbau
stereotyper Fernsehkrimis zu durchschauen ist: „Der Täter ist immer der
dritte Verdächtige.“ Diese Schablone passe auf fast jeden „Tatort“, weiß die
Referentin.
Wer sich von den Maxe-Schülern selbst im Krimischreiben üben will, könne
sich gerne an sie wenden, bot die Autorin an: „Soviele Fragen wie heute habe
ich ja noch nie gestellt bekommen.“