Gelungenes Experiment am Maxe
Gymnasium setzt Doppelstundenprinzip nach
einjähriger Testphase fort
1650 Fragebögen ausgewertet
Von unserem Redakteur
Kai Purschke
1650
ausgefüllte Erhebungsbögen hat das Max-Planck-Gymnasium gesichtet, 25000
Kreuzchen von Schülern, Eltern und Lehrern ausgewertet und das Ergebnis
jetzt der Gesamtkonferenz vorgestellt: Das Doppelstundenprinzip wird
fortgesetzt. "Wir können gar nicht anders", sagt der stellvertretende
Schulleiter Reinhard Burmeister. Das Experiment ist gelungen, das belegen
die positiven Reaktionen auf die zu Beginn dieses Schuljahres geänderte
Unterrichtsorganisation.
Burmeister bezeichnet sich als
Mitinitiator des Doppelstundenprinzips am Maxe - ein Modell, das seinem
Kenntnisstand nach in Delmenhorst einmalig und in der Region allenfalls
selten sei. Verlässliche Zahlen darüber gibt es nicht, denn die
Organisation des Unterrichts obliegt jeder Schule selbst. "Wir haben uns
von den verschiedenen Schulgremien wie Elternrat, Schülervertretung und
Gesamtkonferenz die Zustimmung geholt und das Prinzip umgesetzt", erzählt
Burmeister. Seit diesem Schuljahr wird das Modell am Maxe praktiziert, mit
dem das Gymnasium gestern erstmals an die Öffentlichkeit ging. Burmeister
erklärt warum: "Das war eine Testphase, und deren Ergebnis sollte erstmal
der Gesamtkonferenz vorgestellt werden." Das Doppelstundenprinzip, das für
alle rund 950 Schüler der Klassen 5 bis 11 gilt, sieht drei
Doppelstunden-Blöcke am Vormittag vor. Die Fünf-Minuten-Pause, die es
sonst zwischen zwei Unterrichtsstunden gab, entfällt. Dafür sind die
großen Pausen zwischen den Doppelstunden um je fünf Minuten länger.
Burmeister: "Wir haben nämlich festgestellt, dass eine Fünf-Minuten-Pause
keine wirkliche Erholung darstellt." So mussten Schüler und Lehrer in den
kurzen Pausen stets viele Wege zurücklegen. Das Max-Planck-Gymnasium
errechnete beispielsweise, dass eine zehnte Klasse 23 Mal pro Woche den
Klassenraum wechselt, davon 13 Mal in den Fünf-Minuten-Pausen.
"Bei acht Fächern in acht
Unterrichtsstunden war demzufolge auch der Schulranzen sehr schwer", nennt
Burmeister einen weiteren Grund für die Abkehr vom "normalen" Modell.
Außerdem seien moderne Unterrichtsformen kaum in 45-Minuten-Einheiten zu
realisieren, sagt er. Der stellvertretende Schulleiter erläutert: "Neuere
Methoden erfordern eine Ergebnispräsentation - und die erfolgt besser am
Ende einer Doppelstunde als am Ende von zwei geteilten Einzelstunden,
zwischen denen Tage liegen." Lediglich Fächer mit einer ungeraden
Wochenstundenzahl werden in Doppelstunden am Vormittag und/oder
Einzelstunden am Nachmittag unterrichtet.
Wie Burmeister sagt, hätten
Hirnforscher bestätigt, dass ein 45-Minuten-Rhythmus Unsinn sei. "Man
braucht zehn Minuten, bis man sich überhaupt zurecht gefunden hat und muss
sich dann auf unterschiedliche Lehrer oder Schüler sowie Fächer
einstellen", erklärt der 59-Jährige. Nachteile habe das
Doppelstundenmodell allerdings auch, räumt Burmeister ein. "Großes
Vokabelpensum im Fremdsprachenunterricht, Verteilung der Hausaufgaben muss
von den Schülern organisiert werden und auch eine Entfremdung ist möglich,
wenn sich Schüler und Lehrer nur ein Mal pro Woche sehen", zählt er auf.
Die detaillierte Erhebung
verdeutlicht, dass es fast alle Schüler gut finden, nicht mehr so oft den
Raum wechseln zu müssen und dass die Schultasche leichter sei sowie Themen
in Doppelstunden intensiver behandelt würden. Die deutliche Mehrheit der
Schüler, Eltern und Pädagogen bewertet das Doppelstundenprinzip als
positiv.