liner.gif (1617 Byte)

Delmenhorster Kurier, Ausgabe vom 12. Juni 2008

Gelungenes Experiment am Maxe

Gymnasium setzt Doppelstundenprinzip nach einjähriger Testphase fort
1650 Fragebögen ausgewertet

Von unserem Redakteur Kai Purschke

1650 ausgefüllte Erhebungsbögen hat das Max-Planck-Gymnasium gesichtet, 25000 Kreuzchen von Schülern, Eltern und Lehrern ausgewertet und das Ergebnis jetzt der Gesamtkonferenz vorgestellt: Das Doppelstundenprinzip wird fortgesetzt. "Wir können gar nicht anders", sagt der stellvertretende Schulleiter Reinhard Burmeister. Das Experiment ist gelungen, das belegen die positiven Reaktionen auf die zu Beginn dieses Schuljahres geänderte Unterrichtsorganisation.

Burmeister bezeichnet sich als Mitinitiator des Doppelstundenprinzips am Maxe - ein Modell, das seinem Kenntnisstand nach in Delmenhorst einmalig und in der Region allenfalls selten sei. Verlässliche Zahlen darüber gibt es nicht, denn die Organisation des Unterrichts obliegt jeder Schule selbst. "Wir haben uns von den verschiedenen Schulgremien wie Elternrat, Schülervertretung und Gesamtkonferenz die Zustimmung geholt und das Prinzip umgesetzt", erzählt Burmeister. Seit diesem Schuljahr wird das Modell am Maxe praktiziert, mit dem das Gymnasium gestern erstmals an die Öffentlichkeit ging. Burmeister erklärt warum: "Das war eine Testphase, und deren Ergebnis sollte erstmal der Gesamtkonferenz vorgestellt werden." Das Doppelstundenprinzip, das für alle rund 950 Schüler der Klassen 5 bis 11 gilt, sieht drei Doppelstunden-Blöcke am Vormittag vor. Die Fünf-Minuten-Pause, die es sonst zwischen zwei Unterrichtsstunden gab, entfällt. Dafür sind die großen Pausen zwischen den Doppelstunden um je fünf Minuten länger. Burmeister: "Wir haben nämlich festgestellt, dass eine Fünf-Minuten-Pause keine wirkliche Erholung darstellt." So mussten Schüler und Lehrer in den kurzen Pausen stets viele Wege zurücklegen. Das Max-Planck-Gymnasium errechnete beispielsweise, dass eine zehnte Klasse 23 Mal pro Woche den Klassenraum wechselt, davon 13 Mal in den Fünf-Minuten-Pausen.

"Bei acht Fächern in acht Unterrichtsstunden war demzufolge auch der Schulranzen sehr schwer", nennt Burmeister einen weiteren Grund für die Abkehr vom "normalen" Modell. Außerdem seien moderne Unterrichtsformen kaum in 45-Minuten-Einheiten zu realisieren, sagt er. Der stellvertretende Schulleiter erläutert: "Neuere Methoden erfordern eine Ergebnispräsentation - und die erfolgt besser am Ende einer Doppelstunde als am Ende von zwei geteilten Einzelstunden, zwischen denen Tage liegen." Lediglich Fächer mit einer ungeraden Wochenstundenzahl werden in Doppelstunden am Vormittag und/oder Einzelstunden am Nachmittag unterrichtet.

Wie Burmeister sagt, hätten Hirnforscher bestätigt, dass ein 45-Minuten-Rhythmus Unsinn sei. "Man braucht zehn Minuten, bis man sich überhaupt zurecht gefunden hat und muss sich dann auf unterschiedliche Lehrer oder Schüler sowie Fächer einstellen", erklärt der 59-Jährige. Nachteile habe das Doppelstundenmodell allerdings auch, räumt Burmeister ein. "Großes Vokabelpensum im Fremdsprachenunterricht, Verteilung der Hausaufgaben muss von den Schülern organisiert werden und auch eine Entfremdung ist möglich, wenn sich Schüler und Lehrer nur ein Mal pro Woche sehen", zählt er auf.

Die detaillierte Erhebung verdeutlicht, dass es fast alle Schüler gut finden, nicht mehr so oft den Raum wechseln zu müssen und dass die Schultasche leichter sei sowie Themen in Doppelstunden intensiver behandelt würden. Die deutliche Mehrheit der Schüler, Eltern und Pädagogen bewertet das Doppelstundenprinzip als positiv.

Zur Pressehauptseite         Zur Doppelstundenseite

Verantwortlich für die Web-Seiten: Reinhard Burmeister, StD - Letzte Änderung: 15.06.08