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Delmenhorster Kurier, Ausgabe vom 14. Mai 2009

Graf Gerd im Hotel am Stadtpark
Zeitensprünge zwischen Realität und Fiktion: Maxe-Musik-Theater baut zum Burgjubiläum "Luftschlösser" auf

Von Ute Winsemann

"I did it my way", singt Graf Gerd - und verzieht das Gesicht. Wohl doch nicht "my way", sondern irgendwie schräg, weil die Musiker andere Akkorde spielen. Macht nichts. Bis zum 5. Juni haben der Graf und die Band noch Zeit, sich zu einigen - dann sollen die "Luftschlösser" der Musik-Theater-AG des Maxe stehen.

Mit dem Stück beteiligt sich das Gymnasium am Burgjubiläum. Allerdings in sehr eigener Weise. Zwar stecken der Raubritter und andere geschichtlich verbürgte Adelige ebenso wie diverses Gesinde in aufwendigen Kostümen, die an Mittelalter und Renaissance erinnern. Doch zwischen ihnen bewegt sich sehr heutig anmutendes Volk. Genau das ist die Grundidee: "Gegenwart trifft Vergangenheit - die Grenzen zwischen Lebenden und Toten verwischen", beschreibt es Herta Hoffmann.

Die Lehrerin hat die Rohfassung der "Luftschlösser" entworfen und gemeinsam mit ihrer Kollegin Kristina Köhne bühnentauglich zurechtgefeilt. Die zeitenüberspannende Handlung ist einerseits rein fiktiv, orientiert sich andererseits aber immer wieder an tatsächlichen Ereignissen und Personen. Sämtlich Heimatjahrbücher habe sie durchgewälzt und stapelweise weitere Veröffentlichungen zur Regionalgeschichte, lässt Hoffmann den Anspruch der studierten Historikerin durchblicken. Die sich andererseits aber die Freiheit genommen hat, die Jahrhunderte bunt durcheinanderzuwirbeln und etwa eine Analogie zwischen dem Abriss der Burg und dem des Hotels am Stadtpark zu konstruieren.

Dem Verquicken von gestern und heute hätten die Schüler anfangs eher reserviert gegenübergestanden, gesteht Hoffmann ein. Außerdem seien sie grundsätzlich etwas skeptisch gewesen. Schließlich ist es das erste Mal, dass die Lehrerin ein Stück vollständig selbst geschrieben hat. Sonst standen entweder Musicals von der Stange oder Revuen, bei denen höchstens einzelne Szenen aus eigener Feder stammten, auf dem Spielplan der Arbeitsgemeinschaft - mit dem Charme, dass man sich anhand anderer Inszenierungen schon eine gewisse Vorstellung vom angepeilten Ergebnis machen konnte.

Das ist inzwischen aber auch so zum Greifen nahe. Die Kostüme, die Kunstlehrerin Kathryn Michalzik mit einer sechsköpfigen AG entworfen und geschneidert hat, sind so gut wie fertig. Allerdings sind Puffärmel und Schleppe nicht nur unhandlich, sondern bei diesem Wetter einfach ein bisschen warm. Daher legen die rund 30 Schauspieler sie derzeit noch ganz gern zur Seite. Dahin gehören aus Sicht der Lehrerinnen möglichst bald auch die Texthefte. "Spätestens in zwei Wochen will ich hier keine Zettel mehr sehen", ruft Hoffmann dem Ensemble bei der Probe zu.

Nur die fünfköpfige Band darf mit Noten spielen. Die Musik, für deren Einstudierung Herta Schwender verantwortlich zeichnet, ist im Übrigen ein weiterer, mitunter ironisch angehauchter Zeitensprung: Gespielt werden nicht Minnesang und Contretanz, sondern Jazz und Swing, von "Sentimental Journey" bis zu "Summertime". Da werden Graf Gerd & Co. dann auf der eigenen Burg tatsächlich zu "Strangers in the Night".

Premiere am Freitag, 5. Juni, 19.30 Uhr, im Kleinen Haus. Weitere Aufführungen am 7., 10. und 12. Juni, jeweils 19.30 Uhr.

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Verantwortlich für die Web-Seiten: Reinhard Burmeister, StD - Letzte Änderung: 18.05.09