"I did
it my way", singt Graf Gerd - und verzieht das Gesicht. Wohl doch nicht "my
way", sondern irgendwie schräg, weil die Musiker andere Akkorde spielen.
Macht nichts. Bis zum 5. Juni haben der Graf und die Band noch Zeit, sich zu
einigen - dann sollen die "Luftschlösser" der Musik-Theater-AG des Maxe
stehen.
Mit dem Stück beteiligt sich das Gymnasium am Burgjubiläum. Allerdings in
sehr eigener Weise. Zwar stecken der Raubritter und andere geschichtlich
verbürgte Adelige ebenso wie diverses Gesinde in aufwendigen Kostümen, die
an Mittelalter und Renaissance erinnern. Doch zwischen ihnen bewegt sich
sehr heutig anmutendes Volk. Genau das ist die Grundidee: "Gegenwart trifft
Vergangenheit - die Grenzen zwischen Lebenden und Toten verwischen",
beschreibt es Herta Hoffmann.
Die Lehrerin
hat die Rohfassung der "Luftschlösser" entworfen und gemeinsam mit ihrer
Kollegin Kristina Köhne bühnentauglich zurechtgefeilt. Die
zeitenüberspannende Handlung ist einerseits rein fiktiv, orientiert sich
andererseits aber immer wieder an tatsächlichen Ereignissen und Personen.
Sämtlich Heimatjahrbücher habe sie durchgewälzt und stapelweise weitere
Veröffentlichungen zur Regionalgeschichte, lässt Hoffmann den Anspruch der
studierten Historikerin durchblicken. Die sich andererseits aber die
Freiheit genommen hat, die Jahrhunderte bunt durcheinanderzuwirbeln und etwa
eine Analogie zwischen dem Abriss der Burg und dem des Hotels am Stadtpark
zu konstruieren.
Dem
Verquicken von gestern und heute hätten die Schüler anfangs eher reserviert
gegenübergestanden, gesteht Hoffmann ein. Außerdem seien sie grundsätzlich
etwas skeptisch gewesen. Schließlich ist es das erste Mal, dass die Lehrerin
ein Stück vollständig selbst geschrieben hat. Sonst standen entweder
Musicals von der Stange oder Revuen, bei denen höchstens einzelne Szenen aus
eigener Feder stammten, auf dem Spielplan der Arbeitsgemeinschaft - mit dem
Charme, dass man sich anhand anderer Inszenierungen schon eine gewisse
Vorstellung vom angepeilten Ergebnis machen konnte.
Das ist
inzwischen aber auch so zum Greifen nahe. Die Kostüme, die Kunstlehrerin
Kathryn Michalzik mit einer sechsköpfigen AG entworfen und geschneidert hat,
sind so gut wie fertig. Allerdings sind Puffärmel und Schleppe nicht nur
unhandlich, sondern bei diesem Wetter einfach ein bisschen warm. Daher legen
die rund 30 Schauspieler sie derzeit noch ganz gern zur Seite. Dahin gehören
aus Sicht der Lehrerinnen möglichst bald auch die Texthefte. "Spätestens in
zwei Wochen will ich hier keine Zettel mehr sehen", ruft Hoffmann dem
Ensemble bei der Probe zu.
Nur die
fünfköpfige Band darf mit Noten spielen. Die Musik, für deren Einstudierung
Herta Schwender verantwortlich zeichnet, ist im Übrigen ein weiterer,
mitunter ironisch angehauchter Zeitensprung: Gespielt werden nicht Minnesang
und Contretanz, sondern Jazz und Swing, von "Sentimental Journey" bis zu
"Summertime". Da werden Graf Gerd & Co. dann auf der eigenen Burg
tatsächlich zu "Strangers in the Night".
Premiere am
Freitag, 5. Juni, 19.30 Uhr, im Kleinen Haus. Weitere Aufführungen am 7.,
10. und 12. Juni, jeweils 19.30 Uhr.
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- Letzte Änderung:
18.05.09