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Delmenhorster Kurier, Ausgabe vom 8. Juni 2009

Meeting von Gegenwart und Vergangenheit

Jugendlich frische Produktion der Maxe-Musiktheater AG zum Burgjubiläum / Bezaubernde Kostüme

Von Günter Matysiak

Ne mega Location diese Burg, war auch hammer was los und auch die Musik war echt krass: Da wurde doch glatt unsere seit Jahrhunderten nicht mehr existente Delmenhorster Burg einen Theaterabend lang jugendlich-frisch und lebendig und konnte uns leicht zu "Burgverteidigern mit Bürgerbewusstsein" machen, wie es das sehr informative Programmheft wünscht!

"Luftschlösser - Ein Theaterstück mit Musik zum 750. Burgjubiläum" heißt die jüngste Produktion der Musiktheater-AG des Max-Planck-Gymnasiums, die am Freitagabend im Kleinen Haus ihre heftig beklatschte Premiere hatte. Zwei Stunden lang gab es spielfreudiges Schultheater, alles ging mit sprühendem Tempo über die Bühne, hatte Pep und Temperament. Die Gegenwart traf die Vergangenheit.

Die Gegenwart wurde repräsentiert von Anton, dem Künstler oder Julia, der Zeitungsredakteurin, von Steffi, der Kostümbildnerin und Günther, dem Stadtplaner, meist hippen Typen, die als Bürgergruppe involviert sind in all das Geschehen um Hotelkauf, Hotelabriss, Bürgerbeteiligung ("Flop - für die Tonne") und die die derzeitige Planungslage witzig und tiefsinnig ("Delmenhorst ist einfach Delmenhorst") kommentieren. Alle aber scheinen nicht wenig Lust zu haben, die Burg, "das Häufchen Elend", mit "Steinen aus der Stadtkirche" wieder aufzubauen.

Hotel am Stadtpark abgewrackt Die Vergangenheit steht zuerst einmal nur so symbolisch rum im abgewrackten Hotel am Stadtpark-Foyer am linken Bühnenrand in Form einer Ritterrüstung. Aber: Graf Gerd "der Mutige" lebt, wird auch - nach erster Horrorreaktion - gleich herzlich willkommen geheißen und darf sich sichtlich wohlfühlen, als drei Mädels ihn aus seiner Rüstung fummeln, züchtig hinterm Sofa. Dass die hübsch ausgedachte Szene etwas länglich wird, hätte man vielleicht mit etwas Musik auffangen können.

Graf Gerd, der rotschopfige Rabauke, ist also so etwas wie der Verbindungsmann zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Die zeigt sich in Gestalten diverser gräflicher Bewohner unserer Burg oder königlicher Besucher, einigem höfischen Gesindel und historisch verbürgter Liebesgeschichten, gräflicher Kabalen und (außerehelicher) Lieben, die wiederum von einer Pro7-Produzentin gerne à la "Sarah und Marc" vermarktet würden. Für diese historische Seriosität war als Autorin Herta Hoffmann zuständig. Kristina Köhne sorgte für die "gegenwärtige" Textlockerheit und gemeinsam hatte man hübsche Inszenierungsideen, etwa die "lebendigen" Bilderrahmen.

Auch die Szene, in der Anton seine Steffie mit Walther von der Vogelweide betört, gehört in diese Kategorie. Kathryn Michalzyk mit ihrem Schülerteam hatte bezaubernde historische Kostüme genäht. Allein Derenthalben müssten eigentlich alle nächsten Produktionen in ähnlichem historischen Umfeld spielen! Darstellerisch ging es spielerisch-unangestrengt zu, wobei komödiantische Talente durchaus herausragten. Allen voran Lennard Kröger-Petersen als Anton "III", mit seiner temperamentvollen Schauspielerei, die auch gerne mal spontan improvisiert. Anahid Mosala ließ mit der Redakteurin ("Irgendwas muss ich ja schreiben") mitfühlen, eine produktionswütige Produzentin wie Anke Waschinsky wird es bei Pro7 wirklich geben. Ricarda Niebusch und Nikolaus Fellhauer waren ein rührendes, unglückliches Liebespaar über die Standesgrenzen. Wenn am Schluss Tobias Kolkwitz, der den Grafen Gerd mit gehörigem Gerd-Schröder-Charme gibt, sein "I did it my way" singt, passen Musik und Bühnengeschehen perfekt zusammen. Meist verstärkten die "Delmenhorster Burgmusik 2009" mit Songs aus der näheren Vergangenheit zwischen Gershwins "Summertime", dem "As time goes by" oder Porters "Night and Day" Stimmungen. Hübsch die Idee, die Hofgesellschaft gerade nach dem so wenig tanzkompatiblen " Take five" tanzen zu lassen. Allen Gesangssolisten und dem Chor ein großes Bravo für Stimmqualitäten und Feeling. Das Bravo gilt auch der fünfköpfigen Band "The Lobby Loafers", die, einstudiert von Herta Schwender, musikalisch differenziert, druckvoll und souverän agierten. Sicher wären ein akustisches Schlagzeug und bei manchen Stücken ein ebensolches Klavier noch klanglebendiger gewesen und für die nächsten Vorstellungen (10. und 12. Juni, 19.30 Uhr) könnte man sich manchmal etwas relaxtere Tempi vorstellen, auch für die Sänger.

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Verantwortlich für die Web-Seiten: Reinhard Burmeister, StD - Letzte Änderung: 12.06.09