Inszenierung mit Leidenschaft
Maxe-Schüler
bringen das Rockmusical "Hair" auf die Bühne / Premiere am 28. Mai im
Kleinen Haus
Von Janina Heyn

Dass eine Lehrerin ihre Schüler dazu auffordert miteinander "rumzumachen",
ist recht ungewöhnlich. Für mehr als 30 Maxe-Schüler wurde diese Bitte aber
kürzlich Wirklichkeit. Allerdings hat die Angelegenheit keinen unmoralischen
Grund; auf der Bühne im Kleinen Haus wird darüber auch herzlich gelacht: Die
Musiktheater-AG des Maxes probt dort derzeit für das Musical "Hair". Dafür
müssen die Darsteller mit Haut und Haar in die Hippie-Rolle hineinschlüpfen.
"Eigentlich ist Hair ein Stück, das man nicht aufführen kann. Die Texte sind
so schwierig", bekundet Lehrerin Herta Hoffmann. Doch davon haben sich die
Schüler der Jahrgänge 9 bis 13 nicht abschrecken lassen. Seit Beginn des
Schuljahres proben sie für ihre Inszenierung des amerikanischen
Rockmusicals, das das Lebensgefühl einer ganzen Generation in Texte und
Songs fasste. Die Einstellung der Hippies Ende der 60er Jahre ist dabei im
Wesentlichen in vier Begriffe zu kleiden: Peace, Flowers, Freedom und
Happiness - zu deutsch Frieden, Blumen, Freiheit und Glück.
"Peace" wird zur Lebenseinstellung Diese Lebenseinstellung tragen die
Maxe-Schüler auf die Bühne. Einige haben knallbunte Fahnen mit der
Aufschrift "Peace" um ihre Leiber gewickelt. Übergroße Brillen sitzen auf
den Gesichtern. Männlein wie Weiblein haben bunte Tücher über die Stirn
gelegt und am Hinterkopf geknotet. Bunte, schlabbernde Hosen, zum Teil mit
Schlag, lassen viele der Hair-Darsteller besonders schlaksig wirken. Einige
sind barfuß.
Vor den leeren Rängen auf der Bühne im Kleinen Haus stehen der exzentrische
Hippie Berger und Sheila, verkörpert von Lennard Kröger-Petersen und Anahid
Mosala. Das wilde Pärchen steckt gerade mitten in einer Auseinandersetzung.
Sie streiten sich über Liebe, Eifersucht und Leidenschaft. "Mein Problem
ist, dass ich scharf auf dich bin", ruft Sheila laut. "Nein, dein Problem
ist, dass ich scharf auf dich bin", entgegnet Berger und drückt seine
Musicalpartnerin fest an sich.
Für Musiklehrerin Kristina Köhne scheint der Gang auf Tuchfühlung nicht
leidenschaftlich genug zu sein. "Scharf zu sein, ist ein ganz normaler
Ausdruck für diese Zeit", gibt sie ihren Schützlingen zu bedenken. Und so
üben sich die Teilzeit-Hippies ganz professionell in körperlicher Zuneigung.
Plötzlich wird die Szenerie auf der Bühne von einer glockenklaren Stimme
abgelöst. Delia Mehrwald singt den Song "Frank Mills". Als nach einigen
Minuten die Stimme und die Hintergrundmusik der Band unter der Leitung von
Herta Schwender abebbt, erhebt Kristina Köhne wieder ihre Stimme und gibt
Regie-Anweisungen: "Ihr bleibt da so stehen", sagt sie und zeigt auf ein
paar langmähnige Schüler. "Und ihr baut euch einen Joint", endet sie.
Dann wird wieder gesungen. Die Blumenkinder lassen sich lässig auf dem Boden
nieder und singen das Mantra "Hare Krishna". Sie öffnen die Arme, schwingen
diese durch die Luft und wiegen ihre Körper im Takt der Musik.
Jetzt bekommt Claude, der im wirklichen Leben Patrik Osterloh heißt, seinen
großen Auftritt. Claude steht kurz vor der Einberufung in die amerikanischen
Streitkräfte: "Wer kann mir sagen, ob ich sterben muss und wo gehe ich dann
hin - in die Wolken?", fragt der blonde junge Mann und wirft sich auf die
Knie. Sein Tonfall zeugt von Verzweiflung. Seine unbeantwortete Frage
greifen alle Musical-Darsteller zusammen mit dem melodischen Song "Where Do
I Go" auf.
Insgesamt rund 50 Schüler wirken vor und hinter der Bühne an der
Inszenzierung mit. Die Band sorgt für mitreißende Live-Musik, die Kostüm-AG
hat schrille Hippie-Bekleidung geschneidert und die Tontechnik-AG ist für
den guten Sound zuständig.
Die Premiere von "Hair" ist für Freitag, 28. Mai, um 19.30 Uhr im Kleinen
Haus geplant. Weitere Vorführungen sind am 30. Mai, 2. Juni und 4. Juni,
jeweils um 19.30 Uhr. Karten gibt es zum Stückpreis von acht Euro, ermäßigt
vier Euro, beim Hausmeister des Maxes, in der Buchhandlung Ruppert und an
der Abendkasse.
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- Letzte Änderung:
18.05.10