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Delmenhorster Kreisblatt, Ausgabe vom 30. Mai 2010

Gegen Spießertum, Diskriminierung und Krieg

Runde Ensembleleistung in ,,Hair":
Maxe-Gymnasiasten vermitteln das Lebensgefühl der Hippie-Generation

Lässiger Rebell mit männlicher Macho-Attitüde: Lennard Kröger-Petersen hält in der Rolle des Berger die kunterbunte Hippie-Gruppe aus dem Musical ,,Hair" zusammen.

FOTO: Andreas Nistler

Das Musical ,,Hair" spricht nahezu alle Sinne an und die Schüler des Max-Planck-Gymnasiums haben es verstanden, Augen, Ohren und Nase des Publikums durch eine sinnliche Einstudierung des Kultstücks in den Bann zu ziehen.

Von Julia Brünner

Delmenhorst. Jugendliche in wallenden Röcken und hautengen Jeans mit Blumenkränzen im Haar und Sonnenbrille auf der Nase begrüßen das Publikum schon am Eingang mit dem Friedenszeichen, fragen nach einem Cent oder was Rauchbarem. Und das, obwohl der Schwall von zig Räucherstäbchen unmissverständlich aufzeigt, wohin die Zeitreise am Freitagabend führen sollte: Zurück zur Hippie-Generation in die späten 60er Jahre, als die Sehnsucht nach Freiheit, Frieden und einem selbstbestimmten Leben fern der Konventionen im Mittelpunkt der Jugend-Bewegung stand. Wie sehr sich die Schüler des Max-Planck-Gymnasiums noch mit diesem Zeitgeist identifizieren können, zeigt die Inszenierung des Musicals ,,Hair".

Mit großer Begeisterung für das Lebensgefühl und Sinn für die Botschaft des Kult-Musicals haben 35 Schüler vom 9. bis 13. Jahrgang auf der Bühne sowie 15 Jugendliche der Kostüm-und Ton-Arbeitsgemeinschaften hinter der Kulisse eine begeisternde Atmosphäre geschaffen. Das Publikum spendete Szenenapplaus und blieb nach dem letzten Lied ,,Let the sunshine in" nicht in den Sitzen. Eine Zugabe war am Premierenabend Pflicht.

Rebellisch gegen die Gesellschaft und jegliches Spießertum, gegen Diskriminierung, Rassentrennung und Krieg: Trotz einer heute toleranten Gesellschaft, die freie Lebensentwürfe zulässt, hat das Stück von Gerome Ragni und James Rado noch eine tiefere Ebene: In kleinen Anspielungen haben die Lehrerinnen Herta Hoffmann, Kristina Köhne (Inszenierung) und Herta Schwender (Musik) aktuelle politische Bezüge eingebaut. Statt nach Vietnam droht Claude Bukowsky (Patrik Osterloh), der vor der Einberufung steht, der Auslandseinsatz in Afghanistan. Als Gruppenanführer Berger (Lennard Kröger-Petersen) großzügig eine Runde Pillen ausgibt, denkt er auch an den Papst und Außenminister Guido Westerwelle.

Das Ensemble reißt das Publikum durch eine große Spielfreude und ausdrucksstarke Song-Einstudierungen mit und bietet eine stimmige Leistung. Lässig und vor Testosteron strotzend gibt Lennard Kröger-Petersen den umschwärmten Berger. Vom schüchternen Sohnemann hin zum Soldaten, der am liebsten unsichtbar bleiben möchte, entwickelt Patrick Osterloh den Claude. Etliche Schüler bieten starke stimmliche Leistungen wie etwa Patrick Timmermann, Tobias Kolkwitz, Vera Jakubeit und Tanita Vorreiter. Originelle Choreographien (Christine Lennartz) geben dem Stück, das hauptsächlich durch Songs getragen wird, Tempo und Dynamik.
 

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