Gegen Spießertum, Diskriminierung und Krieg
Runde Ensembleleistung in ,,Hair":
Maxe-Gymnasiasten vermitteln das Lebensgefühl der Hippie-Generation
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Lässiger Rebell mit männlicher
Macho-Attitüde: Lennard Kröger-Petersen hält in der Rolle des Berger
die kunterbunte Hippie-Gruppe aus dem Musical ,,Hair" zusammen.
FOTO: Andreas Nistler |
Das Musical ,,Hair"
spricht nahezu alle Sinne an und die Schüler des Max-Planck-Gymnasiums haben
es verstanden, Augen, Ohren und Nase des Publikums durch eine sinnliche
Einstudierung des Kultstücks in den Bann zu ziehen.
Von Julia Brünner
Delmenhorst.
Jugendliche in wallenden Röcken und hautengen Jeans mit Blumenkränzen im
Haar und Sonnenbrille auf der Nase begrüßen das Publikum schon am Eingang
mit dem Friedenszeichen, fragen nach einem Cent oder was Rauchbarem. Und
das, obwohl der Schwall von zig Räucherstäbchen unmissverständlich aufzeigt,
wohin die Zeitreise am Freitagabend führen sollte: Zurück zur
Hippie-Generation in die späten 60er Jahre, als die Sehnsucht nach Freiheit,
Frieden und einem selbstbestimmten Leben fern der Konventionen im
Mittelpunkt der Jugend-Bewegung stand. Wie sehr sich die Schüler des
Max-Planck-Gymnasiums noch mit diesem Zeitgeist identifizieren können, zeigt
die Inszenierung des Musicals ,,Hair".
Mit großer
Begeisterung für das Lebensgefühl und Sinn für die Botschaft des
Kult-Musicals haben 35 Schüler vom 9. bis 13. Jahrgang auf der Bühne sowie
15 Jugendliche der Kostüm-und Ton-Arbeitsgemeinschaften hinter der Kulisse
eine begeisternde Atmosphäre geschaffen. Das Publikum spendete Szenenapplaus
und blieb nach dem letzten Lied ,,Let the sunshine in" nicht in den Sitzen.
Eine Zugabe war am Premierenabend Pflicht.
Rebellisch gegen die
Gesellschaft und jegliches Spießertum, gegen Diskriminierung, Rassentrennung
und Krieg: Trotz einer heute toleranten Gesellschaft, die freie
Lebensentwürfe zulässt, hat das Stück von Gerome Ragni und James Rado noch
eine tiefere Ebene: In kleinen Anspielungen haben die Lehrerinnen Herta
Hoffmann, Kristina Köhne (Inszenierung) und Herta Schwender (Musik) aktuelle
politische Bezüge eingebaut. Statt nach Vietnam droht Claude Bukowsky
(Patrik Osterloh), der vor der Einberufung steht, der Auslandseinsatz in
Afghanistan. Als Gruppenanführer Berger (Lennard Kröger-Petersen) großzügig
eine Runde Pillen ausgibt, denkt er auch an den Papst und Außenminister
Guido Westerwelle.
Das Ensemble reißt
das Publikum durch eine große Spielfreude und ausdrucksstarke
Song-Einstudierungen mit und bietet eine stimmige Leistung. Lässig und vor
Testosteron strotzend gibt Lennard Kröger-Petersen den umschwärmten Berger.
Vom schüchternen Sohnemann hin zum Soldaten, der am liebsten unsichtbar
bleiben möchte, entwickelt Patrick Osterloh den Claude. Etliche Schüler
bieten starke stimmliche Leistungen wie etwa Patrick Timmermann, Tobias
Kolkwitz, Vera Jakubeit und Tanita Vorreiter. Originelle Choreographien
(Christine Lennartz) geben dem Stück, das hauptsächlich durch Songs getragen
wird, Tempo und Dynamik.
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- Letzte Änderung:
31.05.10