„Hair“ – ein mitreißendes Abenteuer
Max-Planck-Gymnasium
feiert mit 22. Musiktheaterproduktion umjubelte Premiere im Kleinen Haus
VON GÜNTER
MATYSIAK
Delmenhorst.
Flower-Power, Love and Peace, die Rebellion der Jungen gegen die Alten,
der Aufstand gegen den Krieg – eine Musicalabend lang hatte es imme
wieder den Anschein, als seien das nicht nur Stichwörter für die
nostalgieverliebten Träume eines Alt-Achtundsechzigers. Das
Max-Planck-Gymnasium hatte sich für seine, nun schon 22.
Musiktheaterproduktion Galt MacDermots und James Rados/ Gerome Ragnis
„Hair“ ausgesucht und brachte es am Freitag in einer umjubelten Premiere
auf die Bühne des Kleinen Hauses.

FOTO:INGO MÖLLERS
„Hair“ ist das
„American Tribal Love- Rock Musical“, das 1967/68 mit seinen Mitteln das
Lebensgefühl eines großen Teils des jungen Amerika verkörperte: sein
Engagement gegen den Vietnamkrieg, seine Sehnsüchte nach Freiheit, auch nach
sexueller. Seitdem hat sich die Welt verändert. Martin Luther Kings „Traum“
hat sich in vieler Hinsicht erfüllt.
Vorsichtige Aktualisierung
Die
„Maxe“-Produktion (Textfassung für die Theater-AG: Herta Hoffmann) bringt
das in ihren vorsichtig aktualisierenden Momenten zum Ausdruck: „Obama ist
Präsident!
Yes, we
can!“
Aber wenn die Theater- AG eine Darstellerin – gleichsam als direkten Appell
an die Eltern im Saal – um den elterlichen Satz bitten lässt „Kinder, fühlt
euch frei, macht, was ihr wollt, tut nur keinem weh“, dann haben sich die
Sehnsüchte der Jungen in den vergangenen 40 Jahren wohl nicht grundlegend
geändert.
Und die Großmutter
im Publikum schaute etwas indigniert, als vor Vorstellungsbeginn ein Pärchen
wild rumknutschte. Sexuelle Freiheit? Aber das gehörte schon zur
Inszenierung, wie die blumenverteilenden Hippiemädchen oder die Randale. Wie
gesagt, die eigene Betroffenheit der Protagonisten, die ja 1967 den Geist so
vieler Hair-Aufführungen prägte, wurde hier spürbar, wenn auch Sentenzen zu
Afghanistan, zu Guido Westerwelle oder dem Papst – „aber Hände weg von den
Kleinen“ – eher als kabarettistische Gags ankamen. Vielleicht hätte eine
mutigere Aktualisierung dem Spiel einen noch rebellischeren Ernst geben.
Das darstellerische
und musikalische Spiel indes war mitreißend und vergnüglich. Kristina Köhne
und Herta Hoffmann (Inszenierung) mit Kathryn Michalzik (Kostüme) hatten ein
quicklebendiges, spielfreudiges Ensemble zur Verfügung. Das bunte
Hippievölkchen sorgte phantasievoll- spielerisch für ständige Bewegtheit,
auch für atmosphärische Tableaus in der farbigen Strahlkraft der getanzten
„Massenszenen“ nach der Choreografie von Christine Lenartz.
Die Solisten können
an dieser Stelle nur in einer Auswahl gelobt werden: Lennard Kröger-Petersen
als exzentrischer Hippie Berger zeigte wieder einmal sein explosives
Spieltalent. Patrik Osterloh spielte den Claude als differenzierten
Charakter. Auch die kleineren Rollen, Elisa Krawczyk als Jeanie, Anahid
Mosala als Sheila, Jan Ripken als Woof, Christian Pieken als Hud oder Tobias
Kolkwitz als Offizier, gefielen mit darstellerischer.
Die Inszenierung
ließ die Protagonisten – bis auf die Sheila – nicht ihre Songs singen, es
gab sängerische Stellvertreter, was die Musik trotzdem dicht einband. Auch
hier gab es zwischen Nico Fellhauers und Tanita Vorreiters „Aquarius“ und
„Let the sunshine in“ mit Vera Jakubeit, Delia Mehrwald und Patrick
Timmermann sehr persönliche und schöne Song-Versionen. Etwa auch das
ausdrucksstarke „Easy to be hard“ Vera Jakubeits. Schöne musikalische
Ausstrahlung gab es auch von allen anderen Gesangssolisten wie den Chören.
Die musikalische Leitung hatte Herta Schwender. Auch die sechssköpfige Band
ließ musikalisch-spielerische Überlegenheit hören. Wenn sie denn auch
rockig-rebellisch tönen und antreiben will, muss die Tontechnik die Regler
hochschieben, damit man nicht nur Gitarren, Trompeten und Bass wahrnimmt,
sondern auch Keyboard und das elektronische Schlagzeug. Aber da wäre bei den
Vorstellungen am heutigen Sonntag sowie am 2. und 4. Juni, jeweils ab 19.30
Uhr noch etwas zu machen.
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- Letzte Änderung:
31.05.10