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Delmenhorster Kurier, Ausgabe vom 31. Mai 2010

„Hair“ – ein mitreißendes Abenteuer

Max-Planck-Gymnasium feiert mit 22. Musiktheaterproduktion umjubelte Premiere im Kleinen Haus

VON GÜNTER MATYSIAK

Delmenhorst. Flower-Power, Love and Peace, die Rebellion der Jungen gegen die Alten, der Aufstand gegen den Krieg – eine  Musicalabend lang hatte es imme  wieder den Anschein, als seien das nicht nur Stichwörter für die nostalgieverliebten Träume eines Alt-Achtundsechzigers. Das Max-Planck-Gymnasium hatte sich für seine, nun schon 22. Musiktheaterproduktion Galt MacDermots und James Rados/ Gerome Ragnis „Hair“ ausgesucht und brachte es am Freitag in einer umjubelten Premiere auf die Bühne des Kleinen Hauses.

FOTO:INGO MÖLLERS

 

„Hair“ ist das „American Tribal Love- Rock Musical“, das 1967/68 mit seinen Mitteln das Lebensgefühl eines großen Teils des jungen Amerika verkörperte: sein Engagement gegen den Vietnamkrieg, seine Sehnsüchte nach Freiheit, auch nach sexueller. Seitdem hat sich die Welt verändert. Martin Luther Kings „Traum“ hat sich in vieler Hinsicht erfüllt.

Vorsichtige Aktualisierung

Die „Maxe“-Produktion (Textfassung für die Theater-AG: Herta Hoffmann) bringt das in ihren vorsichtig aktualisierenden Momenten zum Ausdruck: „Obama ist Präsident! Yes, we can!“ Aber wenn die Theater- AG eine Darstellerin – gleichsam als direkten Appell an die Eltern im Saal – um den elterlichen Satz bitten lässt „Kinder, fühlt euch frei, macht, was ihr wollt, tut nur keinem weh“, dann haben sich die Sehnsüchte der Jungen in den vergangenen 40 Jahren wohl nicht grundlegend geändert.

Und die Großmutter im Publikum schaute etwas indigniert, als vor Vorstellungsbeginn ein Pärchen wild rumknutschte. Sexuelle Freiheit? Aber das gehörte schon zur Inszenierung, wie die blumenverteilenden Hippiemädchen oder die Randale. Wie gesagt, die eigene Betroffenheit der Protagonisten, die ja 1967 den Geist so vieler Hair-Aufführungen prägte, wurde hier spürbar, wenn auch Sentenzen zu Afghanistan, zu Guido Westerwelle oder dem Papst – „aber Hände weg von den Kleinen“ – eher als kabarettistische Gags ankamen. Vielleicht hätte eine mutigere Aktualisierung dem Spiel einen noch rebellischeren Ernst geben.

Das darstellerische und musikalische Spiel indes war mitreißend und vergnüglich. Kristina Köhne und Herta Hoffmann (Inszenierung) mit Kathryn Michalzik (Kostüme) hatten ein quicklebendiges, spielfreudiges Ensemble zur Verfügung. Das bunte Hippievölkchen sorgte phantasievoll- spielerisch für ständige Bewegtheit, auch für atmosphärische Tableaus in der farbigen Strahlkraft der getanzten „Massenszenen“ nach der Choreografie von Christine Lenartz.

Die Solisten können an dieser Stelle nur in einer Auswahl gelobt werden: Lennard Kröger-Petersen als exzentrischer Hippie Berger zeigte wieder einmal sein explosives Spieltalent. Patrik Osterloh spielte den Claude als differenzierten Charakter. Auch die kleineren Rollen, Elisa Krawczyk als Jeanie, Anahid Mosala als Sheila, Jan Ripken als Woof, Christian Pieken als Hud oder Tobias Kolkwitz als Offizier, gefielen mit darstellerischer.

Die Inszenierung ließ die Protagonisten – bis auf die Sheila – nicht ihre Songs singen, es gab sängerische Stellvertreter, was die Musik trotzdem dicht einband. Auch hier gab es zwischen Nico Fellhauers und Tanita Vorreiters „Aquarius“ und „Let the sunshine in“ mit Vera Jakubeit, Delia Mehrwald und Patrick Timmermann sehr persönliche und schöne Song-Versionen. Etwa auch das ausdrucksstarke „Easy to be hard“ Vera Jakubeits. Schöne musikalische Ausstrahlung gab es auch von allen anderen Gesangssolisten wie den Chören. Die musikalische Leitung hatte Herta Schwender. Auch die sechssköpfige Band ließ musikalisch-spielerische Überlegenheit hören. Wenn sie denn auch rockig-rebellisch tönen und antreiben will, muss die Tontechnik die Regler hochschieben, damit man nicht nur Gitarren, Trompeten und Bass wahrnimmt, sondern auch Keyboard und das elektronische Schlagzeug. Aber da wäre bei den Vorstellungen am heutigen Sonntag sowie am 2. und 4. Juni, jeweils ab 19.30 Uhr noch etwas zu machen.
 

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Verantwortlich für die Web-Seiten: Reinhard Burmeister, StD - Letzte Änderung: 31.05.10