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Delmenhorster Kurier, Ausgabe vom 12. Juni 2010

Tanz' "Die Moldau"!
Die 9d des Max-Planck-Gymnasiums wurde im Schulkonzert in der Glocke bejubelt

Von Sigrid Schuer

Bremen. Schon im vergangenen Jahr wussten die Schüler des neunten Jahrgangs des Max-Planck-Gymnasiums Delmenhorst bei dem Konzert "phil sagend" in der Glocke zu begeistern. In dem extra auf Jugendliche zugeschnittenen Konzert-Format beleuchteten sie mit einer unglaublichen Kreativität und einem stupenden Einfallsreichtum den zeitgenössischen estnischen Komponisten Erkki-Sven Tüür von allen Seiten. "Es geht nur so, dass Jugendliche Kindern und Jugendlichen Klassik und zeitgenössische Musik nahe bringen", lobte Generalmusikdirektor Markus Poschner damals.

Die Schülerinnen und Schüler der Musikprofilklasse des Max-Planck-Gymnasiums mit den Philharmonikern in voller Aktion.

FOTO: JOCHEN STOSS

 

Jetzt war in der Bremer Glocke eine neue Kooperation des Gymnasiums mit den Bremer Philharmonikern zu erleben. Diesmal tanzten die Neuntklässler die Choreographie zu Bedrich Smetanas "Die Moldau" aus dem Zyklus "Mein Vaterland". Als blau-grün kostümierte Wogen wiegten sie sich im dahinplätschernden Rhythmus hin und her, tanzten eine muntere Polka auf einer Bauernhochzeit und stellten schließlich ganz zum Schluss die Prager Burg dar.

Dafür gab's tosenden Applaus von den Grundschülern der Jahrgangsstufen eins bis drei. "Das war ganz toll", zeigten sich Nora, Maja, Myrla und Hassan aus der Klasse 2b der Schule an der Paul-Singer-Straße von ihrem ersten Schulkonzert schwer beeindruckt. Und das galt für den klassischen als auch für den zeitgenössischen Teil der musikalische Reise, die Irene und Falko (von der elementaren Musikpädagogik der Hochschule für Künste) an Bord ihres Ruderbootes "Sunshine" durch die Stromschnellen der "Moldau" unternahmen.

Schon zum zweiten Mal machten Komponisten aus der Klasse von Professorin Younghi Pagh-Paan in einem Schulkonzert den Nachwuchs mit zeitgenössischer Musik vertraut. Die Ergebnisse ernteten genauso frenetischen Applaus wie die Original-Moldau, auch wenn sich manche von den kleinen Mädchen ob der tosenden Lautstärke, speziell in der Komposition von Ali Gorji, die Ohren zuhielten. Aber das gehört eben zum Gewöhnungs-Prozess.

Gorji hatte sich von Smetanas "Moldau" unter dem Titel "Verzweigt, vernetzt" zu einem nächtlichen Traum auf einem auf den Wellen treibenden Boot inspirieren lassen. Immer wieder schimmerten Motive der "Moldau" in der zeitgenössischen Komposition durch, deren mächtiges Klanggewitter sich mit zerschneidenden Dissonanzen grotesk-albtraumhaft entlud. Die Bremer Philharmoniker hoben diese Uraufführung genauso wie die von Alexander Müller mit Empathie und großem Sachverstand aus der Taufe. Bremens früherer Erster Kapellmeister Florian Ludwig hatte da als Dirigent genau das richtige Händchen, er steuerte als einfühlsamer Kapitän die Bremer Philharmoniker durch die in sachten Piano-Tönen dahinfließenden, dann wieder wild sprudelnden Klangfluten.

Die rund 2500 Grundschüler sangen und dirigierten mit Feuereifer mit und beobachteten staunend die Moldau-Nymphen, die als Licht-Reflexionen an der Decke der Glocke entlang tanzten. Als spannend empfanden sie auch die von einem Prélude von Claude Debussy inspirierten "Reflets dans l'eau" von Alexander Müller. Die Moderatoren Falko und Irene begrüßten ihn kumpelhaft: "Mensch, schon wieder ein Komponist am Ufer der Moldau!" Und schon wehte ein glöckchenfeines Zirpen durch den Saal, gefolgt von einem gewaltigen Choral, den Bläser und Schlaginstrumente anstimmten. Ganz so wie ein Sonnenstrahl, der auf den Wogen des Wassers immer mehr an Strahlkraft gewinnt.

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