Tanz' "Die Moldau"!
Die 9d des Max-Planck-Gymnasiums wurde im Schulkonzert in der Glocke
bejubelt
Von Sigrid Schuer
Bremen. Schon im vergangenen Jahr wussten die Schüler des neunten
Jahrgangs des Max-Planck-Gymnasiums Delmenhorst bei dem Konzert "phil
sagend" in der Glocke zu begeistern. In dem extra auf Jugendliche
zugeschnittenen Konzert-Format beleuchteten sie mit einer unglaublichen
Kreativität und einem stupenden Einfallsreichtum den zeitgenössischen
estnischen Komponisten Erkki-Sven Tüür von allen Seiten. "Es geht nur so,
dass Jugendliche Kindern und Jugendlichen Klassik und zeitgenössische
Musik nahe bringen", lobte Generalmusikdirektor Markus Poschner damals.

Die Schülerinnen und Schüler
der Musikprofilklasse des Max-Planck-Gymnasiums mit den Philharmonikern in
voller Aktion.
FOTO: JOCHEN STOSS
Jetzt war in der Bremer Glocke eine neue Kooperation des Gymnasiums mit den
Bremer Philharmonikern zu erleben. Diesmal tanzten die Neuntklässler die
Choreographie zu Bedrich Smetanas "Die Moldau" aus dem Zyklus "Mein
Vaterland". Als blau-grün kostümierte Wogen wiegten sie sich im
dahinplätschernden Rhythmus hin und her, tanzten eine muntere Polka auf
einer Bauernhochzeit und stellten schließlich ganz zum Schluss die Prager
Burg dar.
Dafür gab's tosenden Applaus von den Grundschülern der Jahrgangsstufen eins
bis drei. "Das war ganz toll", zeigten sich Nora, Maja, Myrla und Hassan aus
der Klasse 2b der Schule an der Paul-Singer-Straße von ihrem ersten
Schulkonzert schwer beeindruckt. Und das galt für den klassischen als auch
für den zeitgenössischen Teil der musikalische Reise, die Irene und Falko
(von der elementaren Musikpädagogik der Hochschule für Künste) an Bord ihres
Ruderbootes "Sunshine" durch die Stromschnellen der "Moldau" unternahmen.
Schon zum zweiten Mal machten Komponisten aus der Klasse von Professorin
Younghi Pagh-Paan in einem Schulkonzert den Nachwuchs mit zeitgenössischer
Musik vertraut. Die Ergebnisse ernteten genauso frenetischen Applaus wie die
Original-Moldau, auch wenn sich manche von den kleinen Mädchen ob der
tosenden Lautstärke, speziell in der Komposition von Ali Gorji, die Ohren
zuhielten. Aber das gehört eben zum Gewöhnungs-Prozess.
Gorji hatte sich von Smetanas "Moldau" unter dem Titel "Verzweigt, vernetzt"
zu einem nächtlichen Traum auf einem auf den Wellen treibenden Boot
inspirieren lassen. Immer wieder schimmerten Motive der "Moldau" in der
zeitgenössischen Komposition durch, deren mächtiges Klanggewitter sich mit
zerschneidenden Dissonanzen grotesk-albtraumhaft entlud. Die Bremer
Philharmoniker hoben diese Uraufführung genauso wie die von Alexander Müller
mit Empathie und großem Sachverstand aus der Taufe. Bremens früherer Erster
Kapellmeister Florian Ludwig hatte da als Dirigent genau das richtige
Händchen, er steuerte als einfühlsamer Kapitän die Bremer Philharmoniker
durch die in sachten Piano-Tönen dahinfließenden, dann wieder wild
sprudelnden Klangfluten.
Die rund 2500 Grundschüler sangen und dirigierten mit Feuereifer mit und
beobachteten staunend die Moldau-Nymphen, die als Licht-Reflexionen an der
Decke der Glocke entlang tanzten. Als spannend empfanden sie auch die von
einem Prélude von Claude Debussy inspirierten "Reflets dans l'eau" von
Alexander Müller. Die Moderatoren Falko und Irene begrüßten ihn kumpelhaft:
"Mensch, schon wieder ein Komponist am Ufer der Moldau!" Und schon wehte ein
glöckchenfeines Zirpen durch den Saal, gefolgt von einem gewaltigen Choral,
den Bläser und Schlaginstrumente anstimmten. Ganz so wie ein Sonnenstrahl,
der auf den Wogen des Wassers immer mehr an Strahlkraft gewinnt.
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mit den Bremer Philharmonikern

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- Letzte Änderung:
10.06.11